PMS Ursachen: Was im Körper wirklich passiert

Wissensbibliothek · Frauenheilkunde Hormone Stress

PMS – was passiert im Körper? Ursachen und Mechanismen des prämenstruellen Syndroms

„Das ist eben hormonell" – diesen Satz höre ich in meiner Praxis in Lörrach von vielen Frauen, die in den Tagen vor ihrer Periode mit Reizbarkeit, Brustspannen, Heißhunger, Kopfschmerzen oder einem regelrechten Stimmungstief kämpfen. Er stimmt auch – aber er erklärt zu wenig. Denn PMS entsteht in aller Regel nicht durch abnorm hohe oder niedrige Hormonwerte, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Systeme: die Empfindlichkeit des Nervensystems gegenüber den normalen zyklischen Hormonschwankungen, das Verhältnis von Östrogen zu Progesteron, den Serotoninhaushalt, entzündungsfördernde Botenstoffe und nicht zuletzt den Mikronährstoffhaushalt. In diesem Beitrag erkläre ich dir, was in der zweiten Zyklushälfte im Körper wirklich passiert – und warum PMS so unterschiedlich ausgeprägt sein kann.

Kurzantwort: PMS entsteht meist nicht durch ein simples „Hormonungleichgewicht", sondern durch eine erhöhte Empfindlichkeit des zentralen Nervensystems gegenüber den ganz normalen Schwankungen von Progesteron, seinem Abbauprodukt Allopregnanolon und Östrogen in der Lutealphase. Besonders der rasche Hormonabfall in den letzten Tagen vor der Periode wird von manchen Frauen deutlich stärker wahrgenommen als von anderen. Hinzu kommen Wechselwirkungen mit Serotonin, entzündungsfördernden Prostaglandinen, dem Wasserhaushalt sowie ein erhöhter Bedarf an Magnesium, Vitamin B6 und Calcium. Typische Symptome treten in der Woche vor der Menstruation auf und klingen mit Einsetzen der Blutung ab.

PMS ist keine Frage von „zu viel" oder „zu wenig" Hormon

Lange Zeit ging man davon aus, PMS entstehe durch tatsächlich erhöhte oder erniedrigte Hormonspiegel. Untersuchungen zeigen jedoch, dass die absoluten Progesteron- und Östrogenwerte bei Frauen mit und ohne PMS sich kaum unterscheiden. Entscheidend scheint stattdessen die individuelle Empfindlichkeit des Nervensystems gegenüber den ganz normalen zyklischen Schwankungen zu sein – vergleichbar mit einer Überempfindlichkeit gegenüber einem an sich harmlosen Reiz. Das erklärt, warum manche Frauen kaum etwas von ihrem Zyklus spüren, während andere mit ausgeprägten Beschwerden reagieren, obwohl ihre Laborwerte identisch aussehen.

Progesteron, Allopregnanolon und die GABA-Rezeptoren

Progesteron wird im Körper unter anderem zu Allopregnanolon abgebaut, einem Neurosteroid, das an GABA-A-Rezeptoren im Gehirn andockt – denselben Rezeptoren, an die auch beruhigende und angstlösende Substanzen binden. Normalerweise wirkt Allopregnanolon damit eher entspannend. Bei manchen Frauen kehrt sich diese Wirkung jedoch paradox um, sodass der Anstieg und vor allem der rasche Abfall von Allopregnanolon am Ende der Lutealphase Reizbarkeit, Angst oder depressive Verstimmung auslösen kann, statt zu beruhigen. Dieser sogenannte Neurosteroid-Entzug in den letzten Tagen vor der Periode gilt heute als einer der zentralen Mechanismen hinter PMS und der ausgeprägteren Form, der prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS).

Lutealphase: Hormonabfall und Symptomintensität hoch niedrig Eisprung Zyklusmitte Lutealphase wenige Tage vor Periode Periode Progesteron / Allopregnanolon Symptomintensität (PMS)

Schematische Darstellung (eigene Grafik): PMS-Symptome verstärken sich typischerweise, während Progesteron und Allopregnanolon in den letzten Tagen vor der Periode rasch abfallen – nicht während des Hormonhochs selbst.

Das Östrogen-Progesteron-Verhältnis in der zweiten Zyklushälfte

Neben dem absoluten Hormonverlauf spielt auch das Verhältnis von Östrogen zu Progesteron eine Rolle. Fällt Progesteron im Verhältnis zu Östrogen zu stark ab, spricht man von einer relativen Östrogendominanz – ein Zustand, der Brustspannen, Wassereinlagerungen und Reizbarkeit begünstigen kann. Wie sich dieses Verhältnis über die Speichelhormonanalyse abbilden lässt, erkläre ich ausführlich in meinem Beitrag Progesteron Normwerte: Was der Speichelwert verrät.

Serotonin und die Darm-Hirn-Achse

Östrogen und Progesteron beeinflussen auch den Serotoninstoffwechsel im Gehirn, unter anderem über die Verfügbarkeit der Vorstufe Tryptophan und die Dichte von Serotoninrezeptoren. Da Serotonin zu einem großen Teil im Darm produziert wird, spielt auch die Darm-Hirn-Achse eine unterschätzte Rolle bei PMS-Beschwerden wie Heißhunger auf Süßes, Stimmungsschwankungen oder Schlafproblemen. Mehr dazu in meinem Beitrag Neurotransmitter aus dem Darm: Die Darm-Hirn-Achse.

Prostaglandine: Ursache für Krämpfe, Kopfschmerz und Spannungsgefühl

Prostaglandine sind entzündungsfördernde Botenstoffe, die in der Gebärmutterschleimhaut gebildet werden und für die Kontraktion der Gebärmuskulatur verantwortlich sind. In erhöhter Konzentration begünstigen sie nicht nur Regelschmerzen, sondern auch Kopfschmerzen, Brustspannen und ein allgemeines Entzündungsgefühl im Körper in den Tagen vor der Periode.

Wasser- und Elektrolythaushalt: Blähbauch und Wassereinlagerungen

Der Hormonabfall am Ende der Lutealphase beeinflusst auch das Hormon Aldosteron und damit den Natrium- und Wasserhaushalt. Das erklärt, warum viele Frauen in den Tagen vor der Periode ein Völlegefühl, einen aufgeblähten Bauch oder spürbare Wassereinlagerungen wahrnehmen, ohne dass sich am Essverhalten etwas geändert hat.

Blutzucker, Cortisol und Heißhunger in der Lutealphase

In der zweiten Zyklushälfte steigt der Grundumsatz leicht an, gleichzeitig reagiert der Körper empfindlicher auf Blutzuckerschwankungen. Fällt der Blutzucker rasch ab, reagiert der Körper mit vermehrter Cortisolausschüttung – was Heißhunger, Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme zusätzlich verstärken kann. Mehr zum Zusammenspiel von Cortisol und Blutzucker in meinem Beitrag Cortisol & Stressachse.

Mikronährstoffe: Magnesium, Vitamin B6 und Calcium

Ein niedriger Magnesiumspiegel gilt als einer der am besten untersuchten Einflussfaktoren auf die Ausprägung von PMS-Beschwerden, da Magnesium sowohl an der Muskelentspannung als auch an der Reizweiterleitung im Nervensystem beteiligt ist. Vitamin B6 ist an der Serotoninsynthese beteiligt, Calcium beeinflusst die neuromuskuläre Erregbarkeit. Ein Mangel an diesen drei Mikronährstoffen kann PMS-Beschwerden verstärken oder überhaupt erst auslösen.

PMS und PMDS: eine Frage der Ausprägung

PMS im Überblick: typische Symptome nach zugrunde liegendem Mechanismus (Orientierung, individuell unterschiedlich)
MechanismusTypische Symptome
Neurosteroid-Sensitivität (Allopregnanolon)Reizbarkeit, Angst, depressive Verstimmung
Östrogen-Progesteron-VerhältnisBrustspannen, Wassereinlagerungen
Serotonin / Darm-Hirn-AchseHeißhunger, Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme
ProstaglandineRegelschmerzen, Kopfschmerzen, Spannungsgefühl
Wasserhaushalt (Aldosteron)Völlegefühl, Blähbauch, Gewichtszunahme
Blutzucker / CortisolHeißhunger, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme

Bei der prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS) sind die psychischen Symptome so stark ausgeprägt, dass sie den Alltag deutlich beeinträchtigen. In diesem Fall ist neben der ganzheitlichen Betrachtung auch eine fachärztliche bzw. psychotherapeutische Mitbetreuung sinnvoll.

Diagnostik: Wie ich PMS in meiner Praxis einordne

Ich betrachte PMS nie isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit dem gesamten Zyklusverlauf, der Speichelhormonanalyse und dem Mikronährstoffstatus. Mehr zu meinem diagnostischen Vorgehen auf Diagnostik in meiner Praxis.

Therapie: Ganzheitlicher Ansatz bei PMS

Statt PMS pauschal mit der „Pille" zu behandeln, setze ich auf eine individuelle Kombination aus Zyklusanalyse, gezielter Mikronährstoffgabe, Unterstützung der Darm-Hirn-Achse und, wenn sinnvoll, bioidentischer Hormonunterstützung in der Lutealphase. Mehr auf Hormontherapie in meiner Praxis.

Häufige Fragen zu PMS

Ist PMS ein Hormonmangel?
In der Regel nicht. Die Hormonspiegel liegen meist im Normbereich – entscheidend ist die individuelle Empfindlichkeit des Nervensystems gegenüber den normalen zyklischen Schwankungen.
Warum verstärken sich die Symptome erst kurz vor der Periode?
Weil viele Beschwerden mit dem raschen Abfall von Progesteron und Allopregnanolon am Ende der Lutealphase zusammenhängen, nicht mit deren Höhepunkt.
Was ist der Unterschied zwischen PMS und PMDS?
PMDS ist die ausgeprägtere Form mit stark beeinträchtigenden psychischen Symptomen und profitiert oft zusätzlich von fachärztlicher bzw. psychotherapeutischer Mitbetreuung.
Welche Rolle spielt Magnesium bei PMS?
Ein niedriger Magnesiumspiegel gilt als gut untersuchter Einflussfaktor auf Muskelverspannung, Reizweiterleitung und die Ausprägung von PMS-Beschwerden.
Warum kommt es zu Heißhunger vor der Periode?
Durch Wechselwirkungen zwischen Hormonschwankungen, Serotoninstoffwechsel und einer erhöhten Blutzuckerempfindlichkeit in der Lutealphase.
Hilft eine Ernährungsumstellung bei PMS?
Häufig ja, insbesondere eine Stabilisierung des Blutzuckers und eine gezielte Zufuhr von Magnesium, Vitamin B6 und Calcium.

Möchtest du deine PMS-Beschwerden ganzheitlich abklären lassen?

Termin online buchen

Mehr zur Diagnostik in meiner Praxis Hormontherapie entdecken

Gudrun Faller, Heilpraktikerin in Lörrach
Über die Autorin: Gudrun Faller führt seit über 25 Jahren eine Praxis für ganzheitliche Medizin in Lörrach. Ihr Schwerpunkt liegt auf hormonellen Regelkreisen, chronischen Entzündungen, Stress- und Immunregulation sowie Mikronährstofftherapie. Mitglied im Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH).

Praxis für ganzheitliche Medizin · Gudrun Faller · Belchenstrasse 19 · 79539 Lörrach · +49 7621 58 91 76 · gudrun-faller@posteo.de

Cookies?
Um die Funktionalität meiner Webseite für Sie optimal zu gestalten, verwende ich ausschliesslich technisch notwendige Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung dieser notwendigen Cookies zu. Es werden keine Daten an Dritte weitergeleitet oder für Werbung genutzt.