DHEA & Testosteron: Warum diese Hormone auch für Frauen wichtig sind
„Testosteron ist doch ein Männerhormon" – dieser Satz fällt in meiner Praxis in Lörrach fast jedes Mal, wenn ich bei Frauen mit anhaltender Erschöpfung, Libidoverlust oder Muskelschwäche auch DHEA-S und Testosteron mitbestimme. Dabei produzieren auch die Eierstöcke und Nebennieren von Frauen beide Hormone in physiologisch bedeutsamer Menge – nur eben in geringerer Konzentration als bei Männern. Beide Hormone sinken mit zunehmendem Alter kontinuierlich, oft schon deutlich vor den Wechseljahren, und werden dabei häufig übersehen, weil man bei Frauen vor allem an Östrogen und Progesteron denkt. In diesem Beitrag erkläre ich dir, welche Rolle DHEA und Testosteron bei Frauen wirklich spielen, warum sie mit dem Alter absinken, und wie ich sie in meiner Praxis einordne.
DHEA und DHEA-S: das Vorstufenhormon der Nebennieren
DHEA wird vor allem in der Nebennierenrinde gebildet und im Blut größtenteils in seiner stabilen, sulfatierten Form als DHEA-S gemessen, da diese im Tagesverlauf deutlich konstanter bleibt als freies DHEA. Wie ich in meinem Beitrag Steroidhormon-Synthese: Der Bauplan der Hormone beschrieben habe, dient DHEA als zentrale Vorstufe für Testosteron und Estradiol. Darüber hinaus hat DHEA auch eigenständige Effekte auf Immunsystem, Stimmung, Kognition und Knochendichte und wirkt als eine Art Gegenspieler zu Cortisol.
Testosteron bei Frauen: unterschätzt und oft übersehen
Testosteron wird bei Frauen in den Eierstöcken, den Nebennieren und durch die periphere Umwandlung aus DHEA und Androstendion gebildet. Auch wenn die Konzentration deutlich niedriger ist als bei Männern, übernimmt Testosteron bei Frauen wichtige Aufgaben: Es unterstützt Libido, Muskelkraft und -aufbau, Knochendichte, Motivation, geistige Schärfe und das allgemeine Energieniveau. Ein Mangel äußert sich entsprechend häufig als Libidoverlust, Muskelschwäche, Antriebslosigkeit und eine flache, energielose Stimmungslage.
| Parameter | Tendenz nach Alter | Hinweis |
|---|---|---|
| DHEA-S | Höchststand um das 20.–25. Lebensjahr, danach stetiger Rückgang | Bis ins hohe Alter kontinuierlich sinkend |
| Testosteron gesamt/frei | Leichter Rückgang bereits ab Mitte 30, deutlicher in der Perimenopause | SHBG beeinflusst den freien, wirksamen Anteil |
Referenzbereiche variieren je nach Labor und Messmethode. Diese Tabelle ersetzt keine individuelle Diagnostik.
Schematische Darstellung (eigene Grafik): DHEA-S erreicht seinen Höchststand um das 20. bis 25. Lebensjahr und sinkt danach kontinuierlich.
Warum DHEA und Testosteron mit dem Alter sinken
Der altersbedingte Rückgang von DHEA-S wird auch als „Adrenopause" bezeichnet und beginnt bereits deutlich früher als die Wechseljahre – oft schon ab Mitte 20. Auch die ovarielle Testosteronproduktion nimmt im Verlauf der Perimenopause spürbar ab. Mehr zu diesem Zusammenhang in meinen Beiträgen Die Wechseljahre verstehen und Estradiol Normwerte: Was der Östrogenwert verrät.
Ursachen eines zusätzlichen Mangels
Neben dem altersbedingten Rückgang beobachte ich in der Praxis häufig einen zusätzlichen Abfall von DHEA und Testosteron im Rahmen von chronischem Stress, wenn der Körper Vorstufen vermehrt in Richtung Cortisolproduktion lenkt, sowie bei einer bestehenden Nebennierenschwäche oder Schilddrüsenunterfunktion. Auch bestimmte hormonelle Verhütungsmittel können durch eine Erhöhung des Bindungsproteins SHBG den frei verfügbaren Testosteronanteil senken. Mehr dazu in meinen Beiträgen Cortisol & Stressachse und Steroidhormon-Synthese: Der Bauplan der Hormone.
Diagnostik: Wie ich DHEA und Testosteron in meiner Praxis einordne
Ich bestimme in der Regel DHEA-S sowie Testosteron gesamt und frei zusammen mit SHBG im Blut, um den tatsächlich bioverfügbaren Anteil einschätzen zu können. Ergänzend betrachte ich immer die gesamte Hormonachse, einschließlich Cortisol und der Sexualhormone. Mehr zu meinem Vorgehen auf Diagnostik in meiner Praxis.
Therapie: DHEA und Testosteron ganzheitlich unterstützen
Je nach Befund kann eine niedrig dosierte, engmaschig begleitete bioidentische Hormontherapie sinnvoll sein, kombiniert mit Krafttraining zur Unterstützung von Muskulatur und Knochendichte sowie einer Regulation der Stressachse, da diese die körpereigene Hormonproduktion maßgeblich beeinflusst. Mehr dazu in Bioidentische Hormontherapie und auf Hormontherapie in meiner Praxis.
Häufige Fragen zu DHEA und Testosteron bei Frauen
- Warum ist Testosteron auch für Frauen wichtig?
- Testosteron unterstützt bei Frauen Libido, Muskelkraft, Knochendichte, Motivation und Energie, auch wenn die Konzentration deutlich niedriger ist als bei Männern.
- Was ist der Unterschied zwischen DHEA und DHEA-S?
- DHEA-S ist die stabile, sulfatierte Speicherform, die im Blut gemessen wird, während freies DHEA im Tagesverlauf stärker schwankt.
- Ab welchem Alter sinkt DHEA?
- DHEA-S erreicht seinen Höchststand um das 20. bis 25. Lebensjahr und sinkt danach kontinuierlich bis ins hohe Alter – ein Prozess, der als Adrenopause bezeichnet wird.
- Was bedeutet ein niedriger Testosteronwert bei Frauen?
- Er kann sich als Libidoverlust, Erschöpfung, Muskelschwäche und Antriebslosigkeit äußern und wird oft mit Depression oder normalem Altern verwechselt.
- Kann man DHEA einfach supplementieren?
- Eine Supplementierung sollte immer auf Basis eines gemessenen Wertes und in engmaschiger Begleitung erfolgen, da sowohl zu niedrige als auch zu hohe Dosierungen unerwünschte Effekte haben können.
- Wie hängen Stress und DHEA/Testosteron zusammen?
- Chronischer Stress kann über einen erhöhten Cortisolbedarf die Verfügbarkeit von Vorstufen für DHEA und Testosteron einschränken, wodurch beide Hormone zusätzlich zum altersbedingten Rückgang absinken können.
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