Steroidhormon-Synthese: Wie aus Cholesterin Cortisol, DHEA, Testosteron & Estradiol werden

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Steroidhormon-Synthese: Wie aus Cholesterin Cortisol, DHEA, Testosteron & Estradiol werden

Wenn ich Patientinnen in meiner Praxis in Lörrach erkläre, dass Cortisol, DHEA, Progesteron, Testosteron und Estradiol alle aus derselben Ausgangssubstanz entstehen, folgt fast immer dasselbe erstaunte „Ach, deshalb!" – denn plötzlich ergibt es Sinn, warum sich chronischer Stress so unmittelbar auf den Zyklus oder die Libido auswirken kann. Alle diese Hormone gehören zur Familie der Steroidhormone und werden aus Cholesterin über eine gemeinsame Zwischenstufe aufgebaut. Wer diesen „Bauplan" einmal verstanden hat, versteht auch, warum Nebennieren und Sexualhormone so eng miteinander verwoben sind. In diesem Beitrag zeige ich dir Schritt für Schritt, wie aus Cholesterin die wichtigsten Hormone deines Körpers entstehen.

Kurzantwort: Alle Steroidhormone werden aus Cholesterin gebildet. Der erste Schritt wandelt Cholesterin in Pregnenolon um, die gemeinsame Vorstufe aller weiteren Steroidhormone. Von Pregnenolon aus verzweigt sich der Stoffwechselweg: Ein Ast führt über Progesteron zu Cortisol und Aldosteron (die „Stressachse" der Nebennieren), der andere über DHEA und Androstendion zu Testosteron und weiter über das Enzym Aromatase zu Estradiol (die „Sexualhormon-Achse"). Da beide Wege sich dieselbe Ausgangssubstanz teilen, kann chronischer Stress mit dauerhaft hohem Cortisolbedarf die Verfügbarkeit von Vorstufen für die Sexualhormone einschränken – ein Mechanismus, der umgangssprachlich oft als „Pregnenolon-Steal" bezeichnet wird.

Cholesterin: die gemeinsame Ausgangssubstanz aller Steroidhormone

Cholesterin hat einen schlechten Ruf, ist aber ein lebensnotwendiger Baustein: Es stabilisiert Zellmembranen, ist Ausgangsstoff für Gallensäuren und Vitamin D – und liefert das Grundgerüst für sämtliche Steroidhormone. Ohne ausreichend verfügbares Cholesterin kann der Körper schlicht keine Hormone dieser Gruppe herstellen, was bei sehr niedrigen Cholesterinwerten, etwa durch extreme Diäten oder eine sehr aggressive Cholesterinsenkung, durchaus relevant werden kann.

Pregnenolon: die Mutter aller Steroidhormone

Der erste und geschwindigkeitsbestimmende Schritt der Steroidhormon-Synthese findet in den Mitochondrien statt: Ein Enzym namens P450scc wandelt Cholesterin in Pregnenolon um. Dieser Schritt wird maßgeblich durch ACTH aus der Hypophyse (für die Nebennieren) und LH (für die Eierstöcke beziehungsweise Hoden) angeregt. Pregnenolon selbst hat leichte eigene Wirkungen, unter anderem auf Gedächtnis und Kognition, dient aber vor allem als zentraler Verzweigungspunkt für alle nachfolgenden Hormone.

Die zwei Hauptwege: Stresshormon-Achse und Sexualhormon-Achse

Von Pregnenolon aus teilt sich der Stoffwechselweg in zwei Richtungen. Der eine Ast führt über Progesteron weiter zu Cortisol und Aldosteron in der Nebennierenrinde – die klassische Stressachse. Der andere Ast führt über DHEA und Androstendion zu Testosteron, das über das Enzym Aromatase weiter zu Estradiol umgewandelt werden kann – die Sexualhormon-Achse. Progesteron ist dabei sowohl eine Zwischenstufe auf dem Weg zu Cortisol als auch ein eigenständig wirksames Hormon, das im Gelbkörper und in der Schwangerschaft eine zentrale Rolle spielt. Mehr dazu in meinem Beitrag Progesteron Normwerte: Was der Speichelwert verrät.

Cholesterin P450scc Pregnenolon Progesteron DHEA Cortisol Aldosteron Androstendion Testosteron Aromatase Estradiol „Stressachse" „Sexualhormon-Achse"

Schematische Darstellung (eigene Grafik): Aus Cholesterin entsteht über Pregnenolon zunächst die Verzweigung in Stress- und Sexualhormon-Achse.

Warum Stress die Sexualhormone beeinflusst: das „Pregnenolon-Steal"-Konzept

Da Progesteron- und DHEA-Weg von derselben Ausgangssubstanz Pregnenolon abzweigen, wird in der Praxis häufig beobachtet, dass unter chronischem Stress mit dauerhaft hohem Cortisolbedarf gleichzeitig DHEA und Progesteron absinken. Dieses Muster wird umgangssprachlich als „Pregnenolon-Steal" bezeichnet – ein vereinfachtes, aber klinisch hilfreiches Bild, um zu verstehen, warum sich anhaltender Stress so direkt auf Zyklus, Libido und Sexualhormone auswirken kann. Mehr dazu in meinen Beiträgen Cortisol & Stressachse und Die Wechseljahre verstehen.

DHEA: Vorstufe mit eigener Bedeutung

DHEA beziehungsweise dessen Speicherform DHEA-S dient nicht nur als Vorstufe für Testosteron und Estradiol, sondern wirkt auch als eine Art Gegenspieler und Puffer zu Cortisol. Das Verhältnis von Cortisol zu DHEA-S gibt daher oft einen zusätzlichen Hinweis auf den Erschöpfungsgrad der Nebennieren, wie ich bereits in meinem Beitrag Cortisol & Stressachse beschrieben habe.

Diagnostik: Wie ich die Steroidhormon-Achse in meiner Praxis betrachte

Statt einzelne Hormone isoliert zu bewerten, betrachte ich immer die gesamte Achse: Cortisol und DHEA-S für die Stressachse, Progesteron und Estradiol für die Sexualhormon-Seite, je nach Fragestellung im Speichel oder im Blut gemessen. Mehr zum Unterschied beider Methoden in Speicheltest vs. Bluttest – Hormondiagnostik bei Frauen und zu meinem gesamten Vorgehen auf Diagnostik in meiner Praxis.

Therapie: Die Hormonachse ganzheitlich unterstützen

Je nachdem, welcher Teil der Achse betroffen ist, kombiniere ich Stressregulation, gezielte Mikronährstoffe als Enzym-Cofaktoren und, wenn sinnvoll, eine bioidentische Hormontherapie. Mehr auf Hormontherapie in meiner Praxis.

Häufige Fragen zur Steroidhormon-Synthese

Warum ist Cholesterin für die Hormonproduktion notwendig?
Cholesterin ist die gemeinsame Ausgangssubstanz aller Steroidhormone. Ohne ausreichend Cholesterin kann der Körper weder Cortisol noch Progesteron, Testosteron oder Estradiol in ausreichender Menge bilden.
Was ist Pregnenolon?
Pregnenolon ist das erste Zwischenprodukt, das aus Cholesterin entsteht, und dient als zentraler Verzweigungspunkt für alle weiteren Steroidhormone.
Was bedeutet „Pregnenolon-Steal"?
Ein klinisches Konzept, das beschreibt, wie unter chronischem Stress vermehrt Vorstufen in Richtung Cortisolproduktion verwendet werden, wodurch Progesteron und DHEA relativ absinken können.
Wie hängen Cortisol und Testosteron/Progesteron zusammen?
Beide Hormongruppen entstehen aus derselben Ausgangssubstanz Pregnenolon, weshalb sich chronischer Stress unmittelbar auf die Sexualhormone auswirken kann.
Warum sinkt DHEA mit dem Alter?
Die körpereigene DHEA-Produktion nimmt mit zunehmendem Alter physiologisch ab, was unter anderem mit Veränderungen in Energie, Libido und Regeneration in Verbindung gebracht wird.
Kann zu niedriges Cholesterin die Hormonproduktion beeinträchtigen?
Ja, bei sehr niedrigen Cholesterinwerten, etwa durch extreme Diäten oder eine sehr aggressive Cholesterinsenkung, kann die Verfügbarkeit von Ausgangsmaterial für die Steroidhormon-Synthese eingeschränkt sein.

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Gudrun Faller, Heilpraktikerin in Lörrach
Über die Autorin: Gudrun Faller führt seit über 25 Jahren eine Praxis für ganzheitliche Medizin in Lörrach. Ihr Schwerpunkt liegt auf hormonellen Regelkreisen, chronischen Entzündungen, Stress- und Immunregulation sowie Mikronährstofftherapie. Mitglied im Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH).

Praxis für ganzheitliche Medizin · Gudrun Faller · Belchenstrasse 19 · 79539 Lörrach · +49 7621 58 91 76 · gudrun-faller@posteo.de

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