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Morgens hohe Zuckerwerte – obwohl du nichts gegessen hast? Der Zusammenhang zwischen Cortisol, Insulin und nächtlichen Blutzuckerschwankungen

Morgens hoher Nüchternblutzucker – obwohl du nichts gegessen hast? Cortisol, Dawn-Phänomen und Somogyi-Effekt erklärt

Von Gudrun Faller, Heilpraktikerin, Praxis für ganzheitliche Medizin Lörrach

Kurzantwort Ein erhöhter Nüchternblutzucker am Morgen ist oft kein Ernährungsproblem – sondern ein Hormonsignal. Cortisol, das nachts zu hoch bleibt oder zu früh ansteigt, treibt den Blutzucker in die Höhe, bevor du auch nur einen Bissen gegessen hast. Dahinter stecken zwei unterschiedliche Mechanismen: das Dawn-Phänomen (morgendlicher Cortisol-Anstieg) und der Somogyi-Effekt (nächtliche Unterzuckerung mit Gegenregulation). Beide treten häufiger und ausgeprägter auf, wenn eine Insulinresistenz vorliegt – und beide lassen sich ganzheitlich behandeln.

Du wachst auf. Hast seit acht Stunden nichts gegessen. Misst deinen Blutzucker – und der Wert ist zu hoch. Vielleicht 105, 115, manchmal 125 mg/dl. Dein erster Gedanke: Was habe ich falsch gemacht?

Die ehrliche Antwort: Wahrscheinlich nichts – zumindest nicht in dieser Nacht. Was du siehst, ist kein reines Ernährungsproblem. Es ist das Ergebnis eines hormonellen Prozesses, der schon Stunden vor dem Aufwachen begonnen hat. Und Cortisol spielt dabei die Hauptrolle.

→ Dieser Beitrag vertieft das Thema aus dem Cluster-Beitrag Cortisol und Blutzucker – wie chronischer Stress deinen Stoffwechsel sabotiert. Den Gesamtzusammenhang mit Insulinresistenz findest du im Pillar-Beitrag: Insulinresistenz – wenn Zucker nicht mehr ankommt.

Cortisol und Blutzucker: Die unterschätzte Verbindung

Die meisten Menschen kennen Cortisol als „Stresshormon". Aber Cortisol ist auch – und das wird selten erklärt – ein blutzuckersteigerndes Hormon. Es gehört zur Gruppe der Glukokortikoide: Hormone, die Glukose mobilisieren.

Wenn Cortisol ansteigt, passiert Folgendes gleichzeitig:

  • Die Leber wird angewiesen, gespeicherte Glukose (Glykogen) freizusetzen – Glykogenolyse – und neue Glukose zu synthetisieren – Glukoneogenese
  • Die Insulinsensitivität der Zellen sinkt direkt – sie reagieren schlechter auf das Insulinsignal
  • Der Blutzucker steigt, ohne dass du auch nur einen Bissen gegessen hast

Das ist evolutionär sinnvoll: In einer echten Gefahrensituation muss Energie sofort verfügbar sein. Das Problem entsteht, wenn dieser Mechanismus dauerhaft aktiviert ist – durch chronischen Stress, schlechten Schlaf oder eine gestörte HPA-Achse.

Wichtige Erkenntnis für die Praxis Erhöhtes Cortisol erhöht den Blutzucker – unabhängig von dem, was du isst. Wer nur die Ernährung optimiert, aber Cortisol ignoriert, wird seinen Nüchternblutzucker dauerhaft nicht in den Griff bekommen. Das ist einer der häufigsten Therapiefehler, den ich in der Praxis beobachte.

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Das Dawn-Phänomen: Wenn der Körper den Tag vorbereitet – und der Blutzucker mitsteigt

Es gibt einen natürlichen Prozess, der bei jedem Menschen stattfindet – auch bei völlig gesunden: das Dawn-Phänomen (Morgenröte-Phänomen).

Zwischen etwa 4 und 8 Uhr morgens steigt Cortisol physiologisch an – das ist die sogenannte Cortisol Awakening Response (CAR). Gleichzeitig werden Wachstumshormon, Glucagon und Adrenalin ausgeschüttet. All diese Hormone haben eines gemeinsam: Sie erhöhen den Blutzucker als Energiebereitstellung für den bevorstehenden Tag.

Der gesunde Körper kompensiert das problemlos: Die Bauchspeicheldrüse schüttet mehr Insulin aus, die Zellen nehmen die Glukose auf, der Spiegel bleibt stabil. Bei Menschen mit Insulinresistenz oder Prädiabetes funktioniert diese Kompensation nicht mehr reibungslos – die Zellen sind weniger empfindlich für Insulin, der Blutzucker steigt morgens messbar an.

Typisches Bild beim Dawn-Phänomen
  • Nüchternblutzucker morgens erhöht – oft 100–130 mg/dl oder höher
  • Werte nachts (gegen 2–3 Uhr) normal oder sogar niedrig
  • Anstieg beginnt gegen 4–6 Uhr morgens, Spitze beim Aufwachen
  • Kein nächtliches Aufwachen, kein Schwitzen
  • Besonders ausgeprägt bei gestressten Personen mit erhöhtem Abend-Cortisol

Der Somogyi-Effekt: Wenn der Körper nachts gegensteuert

Weniger bekannt, aber genauso relevant: der Somogyi-Effekt – auch als posthypoglykämische Hyperglykämie bezeichnet. Hier ist die Mechanik das genaue Gegenteil des Dawn-Phänomens.

Der Blutzucker fällt nachts zu stark ab – zum Beispiel weil abends zu wenig gegessen wurde, oder weil Insulin noch aktiv ist. Der Körper registriert diesen Abfall als Notfall und schüttet Cortisol, Adrenalin und Glucagon aus – Gegenregulationshormone. Die Leber pumpt Glukose ins Blut. Der Blutzucker schießt nach oben.

Du wachst morgens mit einem hohen Wert auf – und weißt nicht, dass dein Körper die ganze Nacht gegen einen zu niedrigen Zucker angekämpft hat.

Typische Hinweise auf den Somogyi-Effekt
  • Nächtliches Aufwachen, oft gegen 2–4 Uhr
  • Schwitzen, Herzklopfen, innere Unruhe in der Nacht
  • Unruhiger Schlaf, Alpträume
  • Morgenübelkeit oder Kopfschmerzen beim Aufwachen
  • Hohe Nüchternwerte trotz gefühlter Unterzuckerung nachts
  • Heißhunger direkt nach dem Aufwachen
Merkmal Dawn-Phänomen Somogyi-Effekt
Ursache Natürlicher Cortisol-Anstieg am Morgen, Insulinresistenz Nächtliche Unterzuckerung mit hormoneller Gegenregulation
Nächtlicher Blutzucker (3 Uhr) Normal oder leicht erhöht Niedrig (unter 70 mg/dl)
Schlafqualität Meist ungestört Unruhig, nächtliches Aufwachen, Schwitzen
Morgenwert Erhöht Erhöht (durch Gegenregulation)
Wichtigste Maßnahme Insulinsensitivität verbessern, Cortisol regulieren Abendmahlzeit anpassen, nächtliche Hypoglykämie verhindern
Aus der Praxis Dawn-Phänomen und Somogyi-Effekt sehen von außen gleich aus – hohe Morgenwerte. Aber die Ursachen und die Therapie sind entgegengesetzt. Deshalb ist eine nächtliche Messung gegen 3 Uhr entscheidend für die Unterscheidung. In meiner Praxis ist das eine der ersten Maßnahmen, bevor ich eine Therapieempfehlung gebe.

Insulinresistenz: Der stille Hintergrund beider Phänomene

Beide Phänomene treten häufiger und ausgeprägter auf, wenn eine Insulinresistenz besteht. Und hier schließt sich der Kreis zu Cortisol.

Chronisch erhöhtes Cortisol – durch anhaltenden Stress, Schlafmangel oder eine gestörte HPA-Achse – ist eine der Hauptursachen für erworbene Insulinresistenz. Der Mechanismus:

  1. Cortisol erhöht dauerhaft den Blutzucker über Glukoneogenese und Glykogenolyse
  2. Die Bauchspeicheldrüse schüttet mehr Insulin aus, um gegenzusteuern
  3. Die Zellen werden durch Dauerexposition „taub" gegenüber dem Insulinsignal – Downregulation der Insulinrezeptoren
  4. Insulin bleibt hoch, Blutzucker bleibt hoch – trotz ausreichender Insulinproduktion

Insulinresistenz ist kein reines Diabetes-Thema. Sie ist weit verbreitet und oft jahrelang symptomlos – bevor klassische Laborwerte auffällig werden. Schätzungsweise 20–30 % der Bevölkerung in westlichen Ländern haben eine subklinische Insulinresistenz, ohne es zu wissen.

Typische Begleitsymptome – selten mit Blutzucker in Verbindung gebracht
  • Bauchfett, das trotz Diät hartnäckig bleibt
  • Deutliches Nachmittagstief nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten
  • Heißhungerattacken, besonders auf Süßes – kurz nach dem Essen
  • Brain Fog und Konzentrationsprobleme nach Mahlzeiten
  • Einschlaf- oder Durchschlafprobleme
  • Erhöhte Triglyzeride, niedriges HDL im Blutbild
→ Wie stille Entzündungen die Insulinresistenz antreiben und sich mit dem Cortisol-System gegenseitig verstärken, erkläre ich im Cluster-Beitrag zur Silent Inflammation.

Der Teufelskreis: Cortisol – Blutzucker – Schlaf – Cortisol

Was dieses Thema klinisch so relevant macht, ist die Bidirektionalität. Es ist kein lineares Problem – es ist ein sich selbst verstärkender Kreislauf:

Erhöhtes Cortisol → erhöhter Blutzucker → mehr Insulin → Insulinresistenz → schlechtere Glukoseregulation nachts → Cortisol-Ausschüttung zur Gegenregulation → schlechterer Schlaf → noch höheres Cortisol am nächsten Morgen → von vorne.

Wer nur an einem Punkt ansetzt – etwa nur die Ernährung ändert – wird diesen Kreislauf nicht dauerhaft durchbrechen. Es braucht einen systemischen Ansatz, der alle beteiligten Achsen gleichzeitig adressiert.

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Diagnostik: Was wirklich gemessen werden sollte

Wer nur den Nüchternblutzucker bestimmen lässt, sieht das Problem oft jahrelang nicht – obwohl der Stoffwechsel bereits dysreguliert ist. Eine aussagekräftige Diagnostik umfasst:

Parameter Was er zeigt Optimaler Wert
Nüchternblutzucker Momentwert – allein wenig aussagekräftig Unter 90 mg/dl (optimal), unter 100 mg/dl (akzeptabel)
HbA1c Durchschnittsblutzucker der letzten 8–12 Wochen Unter 5,4 % optimal; 5,7–6,4 % = Prädiabetes-Bereich
Nüchterninsulin ★ Frühestes Zeichen für Insulinresistenz – wird fast nie bestimmt Unter 8 µIU/ml optimal; über 10 µIU/ml: Insulinresistenz-Verdacht
HOMA-IR ★ Index aus Nüchterninsulin und Nüchternblutzucker – quantifiziert Insulinresistenz Unter 1,5 optimal; über 2,5 deutlicher Hinweis auf Insulinresistenz
Cortisol-Tagesprofil Zeigt Rhythmus, CAR und Abendwert – entscheidend für nächtlichen Blutzucker Steiler Morgenanstieg, niedrige Abendwerte
Triglyzeride / HDL-Ratio Indirekter Marker für Insulinresistenz und metabolisches Syndrom Ratio unter 2,0 (Triglyzeride zu HDL)
Nächtliche Blutzuckermessung (3 Uhr) Unterscheidet Dawn-Phänomen von Somogyi-Effekt Zwischen 70–100 mg/dl (normal)
Aus der Praxis: Was ich als erstes messe Nüchterninsulin und HOMA-IR zeigen eine Insulinresistenz oft Jahre bevor der Nüchternblutzucker oder der HbA1c auffällig werden. Das ist der Marker, der die meisten meiner Patientinnen und Patienten überrascht – und der die Therapierichtung klar macht. Ergänzt durch das Cortisol-Tagesprofil ergibt sich fast immer ein sehr klares Bild.

Was du konkret tun kannst: Die sechs wichtigsten Stellschrauben

1. Abendmahlzeit überdenken Mindestens 2–3 Stunden vor dem Schlafen essen. Protein und Fett einbauen – verhindert nächtliche Unterzuckerung und damit Cortisol-Gegenregulation.
2. Cortisol abends senken Bildschirme, spätes Training, Koffein und Stress halten Cortisol abends hoch – und stören die Blutzuckerregulation in der Nacht direkt.
3. Tiefschlaf fördern Im Tiefschlaf ist die Insulinsensitivität am höchsten. Schlafzimmer kühl, dunkel, ruhig. Konsistenter Schlaf-Wach-Rhythmus – auch am Wochenende.
4. Bewegung nach den Mahlzeiten 20–30 Minuten Spazierengehen nach dem Essen senkt den postprandialen Blutzuckeranstieg um 20–30 % messbar. Krafttraining verbessert Insulinsensitivität langfristig.
5. Abendsnacks vermeiden Späte, kohlenhydratreiche Snacks führen zu Insulinspitzen, die den Blutzucker-Rhythmus in der Nacht destabilisieren. Protein ist abends deutlich besser als Zucker.
6. Nicht richtig messen Nüchternblutzucker allein reicht nicht. Nüchterninsulin, HOMA-IR und ein nächtlicher Messwert um 3 Uhr geben das vollständige Bild.

Mikronährstoffe gezielt einsetzen

Bestimmte Mikronährstoffe wirken direkt auf die Insulinsignalkette und den nächtlichen Blutzucker:

  • Magnesium: Insulinrezeptoren benötigen Magnesium als Kofaktor. Mangel – bei Stressbetroffenen sehr häufig – verschlechtert die Insulinsensitivität messbar. Abends eingenommen verbessert es gleichzeitig die Schlafqualität.
  • Chrom: Unterstützt die Glukoseaufnahme in die Zellen über den Insulinrezeptor.
  • Alpha-Liponsäure: Antioxidativ, verbessert Insulinsensitivität – besonders relevant bei erhöhten Entzündungsmarkern.
  • Berberin: Pflanzlicher Wirkstoff mit nachgewiesener blutzuckersenkender Wirkung, in Studien mit Metformin verglichen. Immer in Absprache und mit Laborkontrolle einsetzen.
  • Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA): Reduzieren Entzündung, verbessern Zellmembranfluidität und damit die Insulinrezeptor-Funktion.
  • Vitamin D: Mangel ist direkt mit Insulinresistenz assoziiert. Zielwert: 50–70 ng/ml.

Ernährung: Nicht Extremen, sondern Prinzipien folgen

Keine Kohlenhydrate sind nicht die Lösung – zu wenig Kohlenhydrate erhöhen langfristig Cortisol und können die Insulinresistenz verschlimmern (mehr dazu im PCOS-Ernährungsbeitrag). Was wirklich hilft: Kohlenhydrate immer mit Protein und Fett kombinieren, langsam essen, stark verarbeitete Lebensmittel und Zucker reduzieren, Mahlzeitenabstände einhalten. Eine mediterrane Ernährungsweise hat in der Forschung die stärkste Evidenz für Verbesserung der Insulinsensitivität.

Morgendlicher Blutzucker – das Gesamtbild verstehen

In meiner Praxis in Lörrach betrachte ich Blutzucker-Dysregulation nie isoliert. Fast immer liegen gleichzeitig Stressachse, Hormonstatus, Darm und Mikronährstoffhaushalt aus dem Gleichgewicht. Mit gezielter Diagnostik – Cortisol-Tagesprofil, Nüchterninsulin, HOMA-IR – entsteht ein klares Bild. Daraus ein individueller Therapieplan.

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Häufige Fragen zu Nüchternblutzucker, Cortisol und Dawn-Phänomen (FAQ)

Warum ist mein Nüchternblutzucker morgens höher als nach dem Essen?

Das klingt paradox, ist aber bei ausgeprägtem Dawn-Phänomen oder Insulinresistenz möglich. Der Grund: Der natürliche Cortisol-Anstieg am Morgen mobilisiert Glukose aus der Leber, ohne dass Essen dazukommt. Nach dem Frühstück kann Bewegung oder Insulinwirkung den Wert sogar vorübergehend normalisieren. Das Muster ist ein starker Hinweis auf gestörte Cortisolregulation und Insulinresistenz.

Wie unterscheide ich Dawn-Phänomen vom Somogyi-Effekt?

Durch eine nächtliche Messung gegen 3 Uhr: Ist der nächtliche Wert normal oder leicht erhöht und der Morgenwert hoch, spricht das für das Dawn-Phänomen. Ist der nächtliche Wert niedrig (unter 70 mg/dl) und der Morgenwert hoch, ist der Somogyi-Effekt wahrscheinlich. Außerdem: Der Somogyi-Effekt geht fast immer mit nächtlichem Schwitzen, Herzklopfen oder unruhigem Schlaf einher.

Kann ich das Dawn-Phänomen durch Ernährung allein beheben?

Teilweise – aber nicht vollständig, wenn Cortisol das eigentliche Problem ist. Ernährungsmaßnahmen (stabiles Abendessen, keine späten Kohlenhydrate) helfen, die nächtliche Blutzucker-Achterbahn zu glätten. Aber solange der Cortisolspiegel abends und nachts zu hoch bleibt, wird der Morgenwert erhöht bleiben. Cortisol-Regulation, Schlafoptimierung und ggf. Mikronährstofftherapie sind genauso notwendig wie Ernährungsanpassung.

Was ist der HOMA-IR und wie wird er berechnet?

Der HOMA-IR (Homeostasis Model Assessment of Insulin Resistance) ist ein Index, der aus Nüchterninsulin und Nüchternblutzucker berechnet wird: HOMA-IR = (Nüchterninsulin in µIU/ml × Nüchternblutzucker in mmol/l) ÷ 22,5. Ein Wert unter 1,5 gilt als optimal. Über 2,5 ist ein deutlicher Hinweis auf Insulinresistenz – auch wenn der Nüchternblutzucker noch im Normbereich liegt.

Wann sollte ich meinen Nüchternblutzucker messen?

Direkt nach dem Aufwachen, vor dem ersten Essen und Trinken (außer Wasser). Für ein vollständiges Bild: zusätzlich einmal nachts gegen 3 Uhr (zur Unterscheidung von Somogyi-Effekt und Dawn-Phänomen) sowie 1–2 Stunden nach einer Hauptmahlzeit (postprandialer Wert). Der Nüchternwert allein ist aussagelos ohne den Kontext von Nüchterninsulin und HOMA-IR.

Verbessert Intervallfasten das Dawn-Phänomen?

Bei manchen Menschen ja – besonders wenn Übergewicht und Insulinresistenz vorliegen. Intervallfasten kann die Insulinsensitivität verbessern und das Dawn-Phänomen abschwächen. Aber: Bei gleichzeitiger HPA-Achsen-Dysregulation oder Nebennierenschwäche kann Fasten den Cortisolspiegel morgens weiter anheben und das Problem zunächst verschlimmern. Wie beim Cortisol-Thema generell: Erst die Stressachse stabilisieren, dann Intervallfasten einführen.

Hängen Schlafmangel und hoher Nüchternblutzucker zusammen?

Direkt und messbar. Schon eine einzige Nacht mit unter 6 Stunden Schlaf erhöht den Cortisolspiegel am nächsten Morgen, senkt die Insulinsensitivität und steigert den Nüchternblutzucker. Chronischer Schlafmangel ist einer der stärksten treibenden Faktoren für Insulinresistenz – oft unterschätzt, weil der Zusammenhang nicht intuitiv ist. Wer seinen Blutzucker stabilisieren möchte, muss Schlaf als Therapie ernst nehmen.

Was kann ich abends essen, um nächtliche Blutzuckerschwankungen zu vermeiden?

Das Abendessen sollte ausreichend Protein und gesunde Fette enthalten – das stabilisiert den Blutzucker durch die Nacht und verhindert nächtliche Unterzuckerung (Somogyi-Auslöser). Ein kleiner eiweißreicher Abendsnack (z. B. etwas Hüttenkäse, Nüsse oder ein hartgekochtes Ei) kann beim Dawn-Phänomen hilfreich sein. Was kontraproduktiv ist: reine Kohlenhydrate oder zuckerhaltige Snacks kurz vor dem Schlafen – diese erzeugen Insulinspitzen, die den nächtlichen Rhythmus destabilisieren.

Blutzucker stabilisieren bedeutet: Cortisol stabilisieren.

Das ist kein Ernährungsproblem allein – es ist ein Hormonsystem, das aus dem Takt geraten ist. Mit über 25 Jahren Erfahrung helfe ich dir, die Zusammenhänge zu verstehen und die richtigen Stellschrauben zu drehen.

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Über die Autorin: Gudrun Faller führt seit über 25 Jahren eine Praxis für ganzheitliche Medizin in Lörrach. Ihr Schwerpunkt liegt auf hormonellen Regelkreisen, chronischen Entzündungen, Stress- und Immunregulation sowie Mikronährstofftherapie. Alle Inhalte basieren auf langjähriger Praxiserfahrung und aktueller naturheilkundlicher Diagnostik.

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