Gehirn
Kinder und Bildschirme
13/04/26 18:21
Kleine Augen, große Risiken: Was Bildschirme mit Kleinkindern machen
Gestern habe ich im Radio (SWR 1) einen Bericht mit einem Pädiater der Universität München gehört. Was er schilderte, war alarmierend — und deckt sich mit einer wachsenden Zahl wissenschaftlicher Studien: Kinder, die in den ersten drei Lebensjahren zu viel Zeit vor Bildschirmen verbringen, können Entwicklungsstörungen wie z.b. auch Autismus davontragen. Manche davon, so der Forscher, sind später kaum noch behandelbar.
Es wird Zeit, genauer hinzuschauen.
Das kritische Zeitfenster: Die ersten drei Jahre
Das Gehirn eines Kleinkindes ist kein kleines Erwachsenengehirn. Es befindet sich in einem Zustand rasanter, einzigartiger Reifung. Neuronale Verbindungen entstehen in einem Tempo, das sich später nie mehr wiederholt. Was in diesem Fenster fehlt — echte Interaktion, Körperkontakt, Sprache, Bewegung, Mimik — kann das Gehirn nicht einfach nachholen.
Für Kinder unter drei Jahren macht ein Bildschirm wenig Sinn: Sie können die Menge an Informationen, die sie über digitale Medien erhalten, noch nicht vollständig verarbeiten. Es ist oft zu viel, zu schnell, zu abstrakt — das Gehirn kommt schlicht nicht hinterher.
Kleinkinder lernen durch Erkundung, Nachahmung und den direkten Austausch mit echten Menschen. Wenn ungenutzte Bildschirmzeit traditionelle Formen des Spielens ersetzt, führt das zu einem „Tunnelblick" beim Lernen — die Fähigkeit, Ideen zu bilden und durch Handeln zu lernen, wird stark eingeschränkt.
Was die Studien zeigen
Die Forschungslage ist eindeutiger geworden. Eine aktuelle Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt, in der sieben Reviews und 36 Originalstudien ausgewertet wurden, kommt zu dem Ergebnis: Früher und intensiver Bildschirmgebrauch ist deutlich mit Entwicklungsproblemen verknüpft — vor allem mit Sprach- und Denkstörungen, emotionalen Regulationsstörungen und anderen Verhaltensauffälligkeiten.
Eine Studie in JAMA Pediatrics, die Tausende Kinder von der Säuglingszeit an verfolgte, fand: Einjährige mit mehr als vier Stunden Bildschirmzeit pro Tag zeigten mit zwei und vier Jahren deutliche Verzögerungen in Kommunikation, Problemlösung, Feinmotorik und sozialen Fähigkeiten.
Besonders besorgniserregend ist, dass die Folgen langanhaltend sind. Eine Langzeitstudie aus Singapur mit 506 Mutter-Kind-Paaren zeigte: Kinder, die als Kleinkinder durchschnittlich rund zwei Stunden täglich vor einem Bildschirm verbrachten, wiesen acht Jahre später noch immer eine Verschlechterung der Aufmerksamkeit und der kognitiven Kontrolle auf — und je länger die frühe Bildschirmzeit, desto stärker der Effekt.
Die Folgen reichen von autismusähnlichen Symptomen und Sprachentwicklungsstörungen bis hin zu Aufmerksamkeitsproblemen und Konzentrationsschwäche. Kinderärztinnen berichten von zweijährigen Kindern, die kaum sprechen, nicht auf Dinge zeigen können und große Schwierigkeiten bei der Gefühlskontrolle haben — aber problemlos einen Touchscreen bedienen.
Kleinkinder, die mehr als zwei Stunden täglich vor Bildschirmen verbrachten, hatten gegenüber jenen mit weniger als 30 Minuten ein achtfach erhöhtes Risiko, Diagnosekriterien für ADHS zu erfüllen.
Die Zwei-Stunden-Grenze — und was darunter liegt
Wenn Babys und Kleinkinder täglich mehr als zwei Stunden vor Bildschirmen verbringen, steigt das Risiko für Entwicklungsstörungen stark an. Diese Zwei-Stunden-Grenze ist ein Knackpunkt — was aber natürlich nicht bedeutet, dass eine Bildschirmzeit darunter folgenlos bleibt.
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt: Kinder unter drei Jahren sollten am besten überhaupt keine Zeit mit Bildschirmmedien verbringen. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) formuliert dasselbe in ihrer Leitlinie.
Die Realität in deutschen Familien sieht anders aus: In der miniKIM-Studie 2023 zeigt sich, dass mehr als die Hälfte aller Kinder zwischen zwei und drei Jahren täglich oder mehrmals pro Woche Bildschirmmedien konsumiert — und die meisten Familien die Empfehlungen der DGKJ deutlich überschreiten.
Ganzheitlich betrachtet: Was Kinder wirklich brauchen
Aus ganzheitlicher Perspektive ist die Frage nicht nur, was Bildschirme anrichten, sondern was sie verdrängen. Jede Stunde vor dem Tablet ist eine Stunde, in der kein Kind im Garten buddelt, keine Geschichte gehört, kein Gesicht gelesen wird.
Kinder brauchen in den ersten Lebensjahren vor allem: echte Nähe, körperliche Berührung, Sprache im direkten Gespräch, freies Spiel mit realen Gegenständen und Natur. Das sind keine romantischen Ideale — das ist Neurobiologie.
Schutzfaktoren gibt es: Eltern, die sich trotz gelegentlicher Bildschirmzeit intensiv mit ihren Kindern beschäftigen, können negative Effekte zum Teil kompensieren. Auch gemeinsames Schauen und dabei interagieren macht einen Unterschied.
Die gute Nachricht: Wird eine problematische Mediennutzung rechtzeitig erkannt und die Bildschirmzeit stark reduziert, können betroffene Kleinkinder in ihrer Entwicklung schnell aufholen. Das Gehirn kleiner Kinder ist plastisch — aber eben nur in diesem Zeitfenster.
Was Eltern konkret tun können
- Unter einem Jahr: kein Bildschirm, kein Hintergrundfernsehen
- 1–3 Jahre: keine eigene Bildschirmzeit, Bildschirm nicht als Beruhigungsmittel einsetzen
- Falls doch Bildschirm: immer gemeinsam schauen, kurz, mit Gespräch begleiten
- Alternative: Vorlesen, Singen, Spielen im Freien, Alltagshandlungen gemeinsam erleben
Frauen, Hormone und Alzheimer
02/06/24 11:24







Quelle Dr. Lisa Mosconi (Forscht im Bereich Frauen und Alzheimer)
Heute ganz frisch herausgekommen diese Studie:

News zu Alzheimer
Und hier
Neues aus der Forschung: Alzheimer
31/05/24 14:48

In Kürze zusammengefasst:
Neue Ergebnisse aus der Alzheimerforschung:
Eine Studie mit 675 älteren Personen über 72 Jahren hat gezeigt, dass 60 % der Teilnehmer, die über Vergesslichkeit klagten, in Hirnscans auch Alzheimer- Herde aufwiesen.
Die Lebenspartner und Verwandte der Teilnehmer wurden ebenfalls befragt über das Verhalten der Personen. Diese gaben an, dass ihnen Auffälligkeiten gewahr wurden, auch wenn es sehr subtile Auffälligkeiten waren.
Mit diesen Warnzeichen sollte man aufpassen, bzw schon eine frühzeitige Therapie beginnen: Read More…
Die Herzfrequenzvariabilität (HRV)
20/05/24 10:11

HRV Messung in der Apple Watch
Wie messen wir Unregelmässigkeiten und Dysregulationen im Körper?
Sind diese im Darm, können wir eine Darmanalyse durchführen lassen.
Haben wir Immunprobleme können wir ein Zytokinprofil oder eine Lymphozytentypisierung anfertigen lassen.
Haben wir ein Blutdruckproblem, messen wir den Blutdruck. Read More…
Schlaf und Gesundheit
17/05/24 22:16

gesegneter Schlaf auch in fremden Betten. Benni. Foto Gudrun Faller
Forschung zeigt, dass Erwachsene 6-9 Stunden Schlaf pro Nacht benötigen, um gesund zu bleiben. Kinder und Jugendliche sogar mehr.
(allerdings gibt es auch Individuen, die tatsächlich mit sehr wenig Schlaf auskommen, und deswegen nicht krank werden)
Kommt es auf Dauer zu Schlafstörungen und verkürzten Schlafenszeiten, kann dies starke gesundheitliche Beeinträchtigungen mit sich bringen:
Schlafmangel kann zu einem höheren Risiko zu Herzinfarkten und frühem Tod führen, aber auch Gehirnleistungsstörungen, Demenz, Diabetes, hohem Blutdruck, Depressionen, chronischen Entzündungen und andere chronischen Erkrankungen. Read More…
Neues vom Mikrobiom
18/12/23 19:23

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Wie wichtig die Darmflora (das Mikrobiom) ist, hat sich mittlerweile sogar in der Schulmedizin herumgesprochen. Seit einigen Jahren ist es ein beliebtes Forschungsthema. Alleine in den letzten paar Tagen kamen in der deutschen Presse jede Menge Beiträge zu dem Thema.
Wenig neues für Naturheilkundler…
Zeitschrift Spektrum : Vielfalt der Darmbakterien schützt vor Eindringlingen/Krankheitserreger. Oder: Springer Verlag: bei Reizdarm liegt eine Dysbiose vor…Antibiotika und Protonenpumpenhemmer (Säurehemmer für den Magen) stören die Darmflora. (ach?!)
Letzte Woche kam auch ein TV- Beitrag (SWR) über das Mikrobiom und Fasten.
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Das Gehirn in den Wechseljahren, oder: werde ich langsam dement?
09/12/23 13:47

Foto: Gudrun Faller. Erleuchtet
Viele Frauen bemerken irgendwann, dass ihr Gehirn nicht mehr so funktioniert wie Frau es gewohnt ist. Es kommt zu Wortfindungsstörungen, man hat eine "längere Leitung", das Denken wandert ab (z.b. beim Lesen- was stand da noch auf der Seite?), Brain fog, oder man vergisst Dinge (beim Einkauf, Termine, Namen…)
Wenn man dann noch liest, dass immer mehr Frauen tatsächlich schon in den Wechseljahren dement werden, ist das beängstigend.
Etwa doppelt so viele Frauen wie Männer werden dement, oft beginnend in den Wechseljahre. Read More…




























