Leaky Gut und Autoimmunität – warum der Darm so oft der Ausgangspunkt ist
Von Gudrun Faller, Heilpraktikerin in Lörrach | Autoimmun · Darmgesundheit
Es ist selten, dass eine Patientin mit einer Autoimmunerkrankung zu mir kommt, die keinen Darm-Bezug hat. Manchmal ist er offensichtlich – Verdauungsbeschwerden, Blähungen, ein Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung. Manchmal zeigt er sich nur in der Stuhldiagnostik: erhöhtes Zonulin, reduziertes sekretorisches IgA, eine verschobene Darmflora. Aber der Darm ist fast immer Teil des Bildes. Und wenn wir dort ansetzen, verbessert sich häufig auch das, was auf der Oberfläche sichtbar ist – die Antikörperwerte, die Entzündungsmarker, das Befinden.
Was Leaky Gut bedeutet – und was nicht
Die Darmschleimhaut besteht aus einer einzelligen Zellschicht, die durch „Tight Junctions" zusammengehalten wird – enge Verbindungen, die regulieren, was hindurchdarf. Normalerweise: Nährstoffe ja, unverdaute Nahrungsbestandteile und Bakterienbestandteile nein.
Bei erhöhter Darmpermeabilität werden diese Verbindungen lockerer. Das Protein Zonulin – messbar im Blut und Stuhl – reguliert diese Öffnung. Bei zu hohem Zonulin ist die Darmbarriere chronisch zu durchlässig.
Was dann passiert:
Was Leaky Gut begünstigt
- Dysbiose – eine gestörte Darmflora schwächt die Darmbarriere direkt
- Chronischer Stress – Cortisol erhöht die Darmpermeabilität über Nervensignale
- Gluten – stimuliert bei vielen Menschen die Zonulin-Ausschüttung, auch ohne Zöliakie
- Alkohol – direkt schädigend für die Tight Junctions
- Antibiotika – können die Darmflora destabilisieren und damit die Barriere schwächen
- Nährstoffmängel – Vitamin D, Zink und Glutamin sind zentral für die Darmbarriere
- Chronische Entzündungen – ein Teufelskreis: Entzündung schwächt die Barriere, eine schwache Barriere verstärkt die Entzündung
Was diagnostisch sinnvoll ist
Leaky Gut ist im Standardlabor nicht sichtbar. Folgende Marker geben Hinweise:
- Zonulin im Stuhl oder Serum – erhöhte Werte deuten auf erhöhte Darmpermeabilität hin
- Sekretorisches IgA (sIgA) im Stuhl – die erste Verteidigungslinie der Schleimhäute; niedriger Wert = geschwächte Schleimhautimmunität
- Alpha-1-Antitrypsin im Stuhl – Marker für Proteinverlust durch die Darmwand
- Darmflora-Analyse – Zusammensetzung und Diversität der Bakterien
- hsCRP, IL-6 – systemische Entzündungsmarker, die indirect auf den Darm hinweisen können
Stuhldiagnostik, Zonulin, sIgA, Zytokinprofil – individuell kombiniert für ein vollständiges Bild.
Was therapeutisch hilft
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