Post-COVID und Autoimmunität – was im Körper passiert und was wir jetzt wissen
Von Gudrun Faller, Heilpraktikerin in Lörrach | Autoimmun · Diagnostik
Seit COVID ist das Muster deutlich: Patientinnen kommen mit persistierender Erschöpfung, Brain Fog, Herzstolpern, Gelenkschmerzen – und einem normalen Blutbild. Wenn ich bei diesen Patienten ein Zytokinprofil mache, zeigt sich fast immer dasselbe Bild: TH1 ist herunterreguliert – die zelluläre Abwehr, die wir für die Bekämpfung von Viren und intrazellulären Erregern brauchen, ist geschwächt. Gleichzeitig ist IL-6 hochgeregelt – der Entzündungsbotenstoff, der für die systemische Entzündungsreaktion bei COVID verantwortlich war, bleibt bei vielen Betroffenen erhöht, lange nach der akuten Infektion.
Das hat Konsequenzen: Eine geschwächte zelluläre Abwehr bedeutet, dass persistierende Erreger – reaktiviertes EBV, Herpesviren, Borrelien bei entsprechender Vorbelastung – wieder aktiv werden können. Die chronische IL-6-Erhöhung bedeutet anhaltende systemische Entzündung. Beides zusammen kann Autoimmunprozesse triggern oder bestehende verstärken.
Was SARS-CoV-2 mit dem Immunsystem macht
Das Virus greift in die Immunregulation ein – auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Die Forschung der letzten Jahre hat ein zunehmend klares Bild ergeben:
Was diagnostisch sinnvoll ist bei Post-COVID
- Zytokinprofil – IL-6, TNF-α, IL-10, IFN-γ: zeigt die Richtung der Immunaktivierung
- Lymphozytentypisierung – TH1/TH2-Balance, NK-Zell-Anzahl und -Aktivität
- EBV-Serologie – akut vs. reaktiviert vs. abgeklungen
- Autoantikörper-Screening – je nach Symptombild
- Mikronährstoffstatus – Vitamin D, Selen, Zink, Ferritin: alle relevant für die Immunregulation
- Darmdiagnostik – COVID hat nachweislich die Darmflora verändert; Zonulin, sIgA, Mikrobiom
Was therapeutisch helfen kann
Das Ziel bei Post-COVID-Autoimmunität ist die Wiederherstellung der Immunbalance – keine Immunstimulation, keine Unterdrückung, sondern Regulation:
- Gezielte Mikronährstofftherapie: Vitamin D, Selen, Zink, Omega-3 – alle immunmodulierend
- Darmtherapie – da der Darm bei COVID häufig mitbetroffen war und die Immunregulation direkt beeinflusst
- Behandlung reaktivierter Erreger – wenn EBV oder andere Erreger labordiagnostisch reaktiviert nachweisbar sind
- Stressregulation – Cortisol-Dysregulation bei Long-COVID verstärkt die Immundysregulation weiter
- Schonung vor weiteren Immunstressoren – auch gut gemeinte Immunstimulation kann in dieser Phase kontraproduktiv sein
Zytokinprofil, Lymphozytentypisierung, EBV-Serologie, Mikronährstoffe – individuell kombiniert für das vollständige Bild.
Kann COVID eine Autoimmunerkrankung auslösen?
Es gibt zunehmend Belege dafür, dass COVID bei entsprechender Disposition Autoimmunprozesse triggern kann – über molekulares Mimikry, anhaltende Immunaktivierung und die Reaktivierung latenter Erreger. Ob daraus eine klinisch manifeste Autoimmunerkrankung wird, hängt von individuellen Faktoren ab.
Warum hilft Ruhe bei Long-COVID manchmal nicht?
Weil Long-COVID in vielen Fällen keine reine Erschöpfungserkrankung ist, die sich mit Ruhe erholt. Wenn eine anhaltende Immunaktivierung, reaktivierte Erreger oder eine Autoimmunreaktion dahintersteckt, braucht es mehr als Pause – es braucht eine zielgerichtete Behandlung der zugrunde liegenden Immundysregulation.
Muss ich zwingend schwer an COVID erkrankt sein, um Long-COVID zu entwickeln?
Nein. Das ist eines der überraschendsten Erkenntnisse der Forschung: Auch milde Verläufe können zu Long-COVID und den damit verbundenen Immunveränderungen führen. Die Schwere des Akutverlaufs korreliert nicht zuverlässig mit dem Long-COVID-Risiko.
Du leidest nach COVID an anhaltenden Beschwerden und möchtest dein Immunsystem gezielt untersuchen lassen?
Termin online buchenGudrun Faller führt seit über 25 Jahren eine Praxis für ganzheitliche Medizin in Lörrach. Ihr Schwerpunkt liegt auf hormonellen Regelkreisen, chronischen Entzündungen, Stress- und Immunregulation sowie Mikronährstofftherapie. Alle Inhalte basieren auf langjähriger Praxiserfahrung und aktueller naturheilkundlicher Diagnostik.