PMS vs. PMDS – Abgrenzung, Ursachen & naturheilkundliche Therapie
Von Gudrun Faller, Heilpraktikerin, Praxis für ganzheitliche Medizin Lörrach
PMS oder PMDS – was ist der Unterschied?
Beide Zustände treten in der Lutealphase auf – also in den 7–14 Tagen vor der Menstruation – und verschwinden mit dem Einsetzen der Blutung. Das ist das entscheidende diagnostische Merkmal: Die Beschwerden sind zyklusgebunden.
| Merkmal | PMS | PMDS |
|---|---|---|
| Häufigkeit | Ca. 30–80 % aller Frauen | Ca. 3–8 % aller Frauen |
| Schwere | Spürbar, aber tolerierbar | Erheblich – beeinträchtigt Alltag, Arbeit, Beziehungen |
| Dominante Symptome | Körperlich & stimmungsbezogen | Primär psychisch: Dysphorie, Reizbarkeit, Angst, Hoffnungslosigkeit |
| Arbeitsfähigkeit | Meist erhalten | Häufig eingeschränkt bis aufgehoben |
| Beziehungen | Gelegentlich belastet | Regelmäßig schwer belastet |
| Diagnose nach DSM-5 | Kein eigenständiges Krankheitsbild | Eigenständige psychiatrische Diagnose seit 2013 |
Typische Symptome – von PMS bis PMDS
Körperliche Symptome (beide)
Psychische Symptome – bei PMDS besonders ausgeprägt
Warum PMS und PMDS entstehen – die biochemischen Ursachen
PMS und PMDS sind keine Charakterschwäche, keine Überempfindlichkeit und kein Einbildung. Sie haben eine klare biochemische Grundlage – auch wenn diese lange nicht ernst genommen wurde.
1. Progesteronmangel & relative Östrogendominanz
In der Lutealphase sollte Progesteron deutlich ansteigen und eine beruhigende, stabilisierende Wirkung entfalten. Bei PMS/PMDS ist diese Progesteronproduktion häufig gestört – zu niedrig, zu kurz oder qualitativ unzureichend. Das Resultat: Östrogen dominiert relativ ungebremst und verstärkt Entzündungsneigung, Wassereinlagerung und Schmerzempfindlichkeit.
2. Gestörte GABA-Reaktion auf Progesteron
Progesteron wird zu Allopregnanolon umgewandelt – einem Neurosteroid, das über GABA-Rezeptoren im Gehirn beruhigend wirkt. Ähnlich wie Benzodiazepine, aber körpereigen. Bei Frauen mit PMDS reagiert das GABA-System paradox auf Allopregnanolon – statt beruhigt zu werden, reagiert das Nervensystem mit Dysphorie, Angst und Reizbarkeit. Das erklärt, warum PMDS kein reines Hormonproblem ist, sondern eine Reaktion des Nervensystems auf hormonelle Schwankungen.
3. Serotoninmangel in der Lutealphase
Progesteron und Östrogen beeinflussen die Serotoninverfügbarkeit. In der Lutealphase sinkt der Serotoninspiegel bei betroffenen Frauen überproportional stark ab – was die depressiven und angstzustände, Heisshunger auf Kohlenhydrate und Schlafstörungen erklärt.
4. Chronischer Stress – der Verstärker
Cortisol und Progesteron teilen denselben Vorläufer: Pregnenolon. Bei Dauerstress wird Pregnenolon bevorzugt zu Cortisol umgewandelt – auf Kosten des Progesterons. Das nennt man den Pregnenolon-Steal. Frauen mit hohem Stresslevel haben deshalb fast immer schlechtere PMS-Symptome.
5. Darm, Mikrobiom & Östrobolom
Ein gestörtes Mikrobiom kann den Östrogenabbau verlangsamen – Östrogen wird über die Galle in den Darm ausgeschieden, aber bei Dysbiose durch das Enzym Beta-Glucuronidase reaktiviert und rückresorbiert. Das verstärkt die Östrogendominanz in der Lutealphase direkt.
Naturheilkundliche Therapie – was wirklich hilft
Diagnostik – was ich abkläre
- Speichelanalyse der freien Hormonfraktionen – besonders Progesteron und Östradiol in der Lutealphase (Tag 19–22). Im Blut wird Progesteron oft falsch niedrig gemessen, weil es stark gewebsbezogen wirkt.
- Cortisol-Tagesprofil im Speichel – zum Nachweis des Pregnenolon-Steal-Effekts
- Serotonin & Vitamin D – Vitamin D ist direkter Serotoninmodulator
- Magnesium (Vollblut, nicht Serum) – Serummagnesium ist oft falsch normal
- Zyklusdokumentation – mindestens 2 Monate. Ohne Zyklusprotokoll keine PMDS-Diagnose möglich
- Schilddrüse komplett – Hashimoto und Hypothyreose verstärken PMS erheblich
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📅 Termin online buchen – Praxis Gudrun Faller LörrachHäufige Fragen zu PMS & PMDS
Das wichtigste Kriterium: Führ ein Zyklusprotokoll über mindestens 2 Monate. Dokumentiere täglich Stimmung, Schmerzen, Energie und andere Symptome. Wenn die Beschwerden klar auf die 7–14 Tage vor der Menstruation beschränkt sind und mit Einsetzen der Blutung verschwinden – ist das ein starkes Zeichen für PMS oder PMDS. Die Schwere der psychischen Beeinträchtigung entscheidet dann, ob PMS oder PMDS vorliegt.
Die Pille unterdrückt den Eisprung und damit den gesamten Hormonschwankungszyklus – das kann PMS-Symptome kurzfristig verbessern. Aber: Sie stoppt den natürlichen Hormonrhythmus vollständig, kann Progesteron- und Testosteronmangel verursachen und löst die Ursache nicht. Viele Frauen berichten, dass PMS nach dem Absetzen der Pille zurückkehrt – oft schlimmer als vorher. Die Pille ist für mich keine Therapie, sondern eine Unterdrückung.
Häufig ja – weil mit der Menopause die zyklischen Hormonschwankungen aufhören. Aber der Übergang (Perimenopause) kann vorher noch einmal sehr schwer sein, weil Progesteron und Östrogen stark schwanken. Frauen mit PMDS in der Perimenopause brauchen oft gezielte Unterstützung – gerade dann.
Weil Dysmenorrhö oft prostaglandinvermittelt ist – und Ibuprofen zwar Prostaglandine hemmt, aber die übermäßige Produktion nicht stoppt. Wer den Omega-3-Index verbessert (weniger Arachidonsäure, mehr EPA), produziert weniger entzündliche Prostaglandine – das löst das Problem an der Wurzel. Ergänzend wirkt Akupunktur auf die Durchblutung des Uterus direkt.
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