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Testosteronmangel beim Mann – die unterschätzten Wechseljahre

Testosteronmangel beim Mann – die unterschätzten Wechseljahre

Von Gudrun Faller, Heilpraktikerin, Praxis für ganzheitliche Medizin Lörrach

Kurzantwort Testosteronmangel beim Mann äußert sich häufig durch Leistungsabfall, Muskelschwäche, Libidoverlust und zunehmendes Bauchfett. Besonders aufschlussreich: Viszerales Fettgewebe enthält das Enzym Aromatase, das Testosteron in Östrogen umwandelt – bei vielen Männern mit "Bierbauch" findet sich deshalb nicht nur niedriges Testosteron, sondern gleichzeitig ein erhöhter Östrogenspiegel. Ein sich selbst verstärkender Kreislauf: Mehr Bauchfett bedeutet mehr Umwandlung, mehr Umwandlung bedeutet noch weniger Testosteron. Wichtig auch: eigenmächtiges Testosteron-Spritzen ohne ärztliche Überwachung birgt ernsthafte gesundheitliche Risiken.
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Aus der Praxis Ich teste regelmäßig auch bei Männern die Hormone – und ein Muster begegnet mir dabei immer wieder: niedriges Testosteron kombiniert mit erhöhtem Östrogen. Häufig klagen diese Männer über Leistungsabfall, Muskelschwäche und Libidoverlust. Im vergangenen Jahr hatte ich zudem zwei junge Männer in der Praxis, die eigenmächtig Testosteron gespritzt hatten – mit deutlich verschlechterten Blutwerten (Leberwerte, Hämatokrit) und veränderten Hormonwerten. Einer der beiden hatte massive Atemnot, Herzprobleme und konnte kaum eine Treppe hochgehen. Hier habe ich mit einem Aderlass gegengesteuert und beide Männer zusätzlich zur ärztlichen Abklärung geschickt.

Fühlst du dich zunehmend erschöpft, hast an Muskelkraft verloren, kämpfst mit Libidoverlust oder hartnäckigem Bauchfett? Was bei Frauen als Wechseljahre bekannt ist, gibt es in ähnlicher Form auch bei Männern – nur wird darüber viel seltener gesprochen. In meiner Praxis in Lörrach begegnet mir dieses Thema zunehmend häufiger. In diesem Beitrag erkläre ich dir den Zusammenhang zwischen Testosteron, Östrogen und Bauchfett – und warum eigenmächtiges Testosteron-Doping gefährlich sein kann.

Typische Anzeichen eines Testosteronmangels

💪 Muskelschwäche Abnehmende Muskelkraft und -masse, auch bei gleichbleibendem Training.
😴 Leistungsabfall Anhaltende Erschöpfung, weniger Energie und Antrieb im Alltag.
💔 Libidoverlust Vermindertes sexuelles Verlangen, oft schambesetzt und selten offen angesprochen.
🌿 Zunehmendes Bauchfett Der klassische "Bierbauch" – oft nicht nur kosmetisch, sondern hormonell mitbedingt.

Warum Bauchfett und Testosteronmangel sich gegenseitig verstärken

Ein Mechanismus, der bei Männern häufig übersehen wird: Fettgewebe – insbesondere viszerales Bauchfett – enthält das Enzym Aromatase, das Testosteron in Östrogen umwandelt. Bei Männern mit ausgeprägtem Bauchfett findet sich deshalb häufig nicht nur ein niedriger Testosteronspiegel, sondern gleichzeitig ein erhöhter Östrogenspiegel – ein ungünstiges Testosteron-Östrogen-Verhältnis, das noch aussagekräftiger sein kann als der Testosteronwert allein.

Mehr Bauchfett bedeutet mehr Aromatase-Aktivität, mehr Aromatase-Aktivität bedeutet mehr Umwandlung von Testosteron in Östrogen – und ein niedrigeres Testosteron begünstigt wiederum die Einlagerung von Bauchfett. Dieser sich selbst verstärkende Kreislauf wird in der Fachliteratur als "hypogonadal-obesity cycle" beschrieben.

Das erklärt auch, warum eine isolierte Testosteronmessung manchmal zu kurz greift – relevant ist häufig das Zusammenspiel mit Östrogen, Insulinresistenz (siehe auch mein Artikel zu Insulinresistenz und viszeralem Fett, dessen Mechanismus bei Männern ähnlich relevant ist) und Leberwerten, da die Leber am Östrogenabbau beteiligt ist.

Die Gefahr von eigenmächtigem Testosteron-Spritzen

Ernst zu nehmende Warnung Immer wieder sehe ich, besonders bei jüngeren Männern, den Wunsch, Testosteron ohne ärztliche Überwachung zu spritzen – oft im Zusammenhang mit Fitness- oder Bodybuilding-Zielen. Das ist mit ernsthaften gesundheitlichen Risiken verbunden: Der Körper produziert daraufhin selbst kein Testosteron mehr (Unterdrückung der körpereigenen Achse), der Hämatokrit (Anteil roter Blutkörperchen) kann gefährlich ansteigen und das Blut dadurch dickflüssiger machen – mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme, Atemnot und Thrombosen. Auch die Leberwerte können sich deutlich verschlechtern. Bei einem meiner Patienten führte das zu massiver Atemnot, Herzproblemen und starker körperlicher Einschränkung. In solchen Fällen ist neben einer ärztlichen Abklärung oft ein Aderlass notwendig, um den Hämatokrit rasch zu senken.

Wie ich das Thema in der Praxis angehe

📊 Umfassende Hormondiagnostik Testosteron nie isoliert, sondern immer im Verhältnis zu Östrogen sowie weiteren relevanten Werten betrachten.
🌿 Viszerales Fett reduzieren Da Fettabbau die Aromatase-Aktivität senkt, ist eine gezielte Stoffwechseloptimierung oft der wirksamste erste Schritt.
💪 Krafttraining Muskelaufbau wirkt sich günstig auf das hormonelle Gleichgewicht aus, siehe auch Muskel als Endokrinorgan.
⚖ Leberfunktion mitbetrachten Da die Leber am Östrogenabbau beteiligt ist, gehört ein Blick auf die Leberwerte mit zur vollständigen Einordnung.
Eine Beobachtung aus 25 Jahren Praxis Männer sprechen aus meiner Erfahrung seltener und später über hormonelle Beschwerden als Frauen – oft aus Scham oder weil das Thema gesellschaftlich kaum Raum bekommt. Dabei ist ein sinkender Testosteronspiegel, gerade in Kombination mit steigendem Östrogen, genauso ernst zu nehmen wie hormonelle Veränderungen bei Frauen.

Weiterführende Beiträge

Leistungsabfall, Bauchfett oder Libidoverlust?

Lass uns gemeinsam deine Hormonwerte – Testosteron und Östrogen im Verhältnis – unter die Lupe nehmen. In meiner Praxis in Lörrach begleite ich dich individuell.

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Häufige Fragen zu Testosteronmangel beim Mann

Warum habe ich niedriges Testosteron UND hohes Östrogen?

Viszerales Fettgewebe enthält das Enzym Aromatase, das Testosteron in Östrogen umwandelt. Je mehr Bauchfett vorhanden ist, desto mehr Testosteron wird auf diese Weise "umgewandelt" – ein Muster, das bei Männern mit ausgeprägtem Bauchfett häufig zu beobachten ist.

Ist Testosteron-Spritzen zum Muskelaufbau gefährlich?

Ohne ärztliche Überwachung ja. Es kann zu einem gefährlichen Anstieg des Hämatokrits (Blutverdickung), verschlechterten Leberwerten und einer Unterdrückung der körpereigenen Testosteronproduktion führen – mit Risiken für Herz-Kreislauf-System und Thrombosen.

Wie merke ich, ob mein Testosteronspiegel zu niedrig ist?

Typische Hinweise sind Leistungsabfall, Muskelschwäche, Libidoverlust und zunehmendes Bauchfett. Eine sichere Aussage liefert aber nur eine Blutuntersuchung, idealerweise mit Betrachtung des Testosteron-Östrogen-Verhältnisses.

Hilft Abnehmen wirklich beim Testosteronspiegel?

Ja, eine Reduktion des viszeralen Fetts senkt die Aromatase-Aktivität und kann das Testosteron-Östrogen-Verhältnis günstig beeinflussen – oft einer der wirksamsten ersten Schritte.

Themen: Hormone Stress
Gudrun Faller, Heilpraktikerin in Lörrach
Über die Autorin: Gudrun Faller führt seit über 25 Jahren eine Praxis für ganzheitliche Medizin in Lörrach. Ihr Schwerpunkt liegt auf hormonellen Regelkreisen, chronischen Entzündungen, Stress- und Immunregulation sowie Mikronährstofftherapie. Mitglied im Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH).

Praxis für ganzheitliche Medizin · Gudrun Faller · Belchenstrasse 19 · 79539 Lörrach · +49 7621 58 91 76 · gudrun-faller@posteo.de

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