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Wechseljahre & Muskelprobleme: Hexenschuss, Faszien & was Hormone damit zu tun haben

Wechseljahre & Muskulatur – warum der Körper sich verändert und was wirklich hilft

Von Gudrun Faller, Heilpraktikerin in Lörrach  |  Hormontherapie  ·  Perimenopause & Wechseljahre

Kurzantwort Mit den Wechseljahren verändern sich Muskulatur, Faszien und die gesamte Körperstatik – nicht weil Frauen schwächer werden, sondern weil Östrogen und Progesteron zentrale Rollen in der Muskel- und Gewebegesundheit spielen, die erst bei ihrem Rückgang sichtbar werden. Hexenschuss, Faszienbeschwerden, Schwäche und Erschöpfung sind keine Einbildung. Und: Es ist nie zu spät, anzufangen – das Muskelgedächtnis ist ein erstaunlich treuer Verbündeter.
Ich schreibe das gerade mit einem Hexenschuss

Ich gebe zu: Dieser Beitrag entsteht aus sehr persönlichem Anlass. Ich liege gerade – bildlich gesprochen – mit einem Hexenschuss flach. Etwas, das ich früher kaum kannte. Früher habe ich regelmäßig Sport gemacht, war körperlich aktiv, habe meinen Körper als selbstverständlich funktionierend erlebt. Mit den Wechseljahren hat sich das schleichend verändert: Faszienbeschwerden, gelegentliche Rückenschmerzen, das Gefühl, dass der Körper weniger verzeiht als früher. Und nun, heute, ein ausgewachsener Hexenschuss.

Ich erzähle das, weil ich weiß, dass es sehr vielen Frauen in meiner Praxis genauso geht. Sie kommen und beschreiben dasselbe: „Früher war ich aktiv. Irgendwann habe ich aufgehört. Jetzt tut alles weh, ich bin schneller erschöpft, und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll." Dieser Beitrag ist für sie. Und gerade auch für mich selbst.

Was Östrogen mit Muskeln und Faszien zu tun hat

Östrogen ist weit mehr als ein „Fortpflanzungshormon". Es hat Rezeptoren in Muskelzellen, Sehnen, Bändern und dem Bindegewebe – also in genau den Strukturen, die beim Hexenschuss und bei Faszienbeschwerden eine Rolle spielen.

Was Östrogen in diesen Geweben leistet:

  • Muskelerhalt: Östrogen hat eine direkt muskelerhaltende (anabole) Wirkung – es hemmt den Muskelabbau und unterstützt die Regeneration nach Belastung
  • Kollagenproduktion: Östrogen stimuliert die Produktion von Kollagen – dem strukturellen Protein von Haut, Sehnen, Bändern und Faszien. Weniger Östrogen bedeutet weniger Kollagen, was Faszien steifer, weniger elastisch und verletzungsanfälliger macht
  • Entzündungsregulation: Östrogen wirkt entzündungsmodulierend – sein Rückgang kann dazu führen, dass Mikroverletzungen im Muskel- und Fasziengewebe schlechter gedämpft werden und länger schmerzhaft bleiben
  • Wasserhaushalt im Gewebe: Östrogen beeinflusst die Flüssigkeitsverteilung im Bindegewebe – trockenes, weniger hydriertes Fasziengewebe ist anfälliger für Verhärtungen und Schmerzen
„Ein Hexenschuss in den Wechseljahren ist selten einfach ein Hexenschuss. Er ist oft das sichtbare Ende einer langen, schleichenden Veränderung in Muskulatur, Faszien und Bindegewebe – die mit dem Hormonabfall beginnt."

Der Teufelskreis: Schmerz – Schonung – Schwäche – mehr Schmerz

Was viele Frauen beschreiben und was ich selbst gerade erlebe: Ein Schmerzereignis führt zur Schonung, die Schonung führt zu weniger Bewegung, weniger Bewegung führt zu weiterem Muskelabbau – und damit zu mehr Anfälligkeit für das nächste Schmerzereignis.

1
Hormonrückgang → Muskelabbau, steifere Faszien, schlechtere Regeneration
2
Schmerzereiginis (Hexenschuss, Faszienschmerz) → Schonung, Rückzug aus Bewegung
3
Weniger Bewegung → weiterer Muskel- und Kraftverlust, noch mehr Steifigkeit
4
Erschöpfung durch schwächere Muskulatur → weniger Alltagsaktivität, weiterer Abbau
5
Nächster Schmerz kommt früher und aus geringerem Anlass – der Kreislauf schließt sich

Dieser Kreislauf ist real, biologisch gut erklärbar – und er lässt sich durchbrechen. Aber es braucht das Wissen darum, warum er entsteht, damit der richtige Ansatzpunkt gefunden werden kann.

Mitochondrien in der Muskelzelle – warum Erschöpfung dazugehört

Erschöpfung nach wenig körperlicher Belastung ist ein häufiges Begleitphänomen in den Wechseljahren – und hat einen direkten zellulären Hintergrund. Mitochondrien sind die Energiekraftwerke der Zellen. Muskelzellen sind besonders reich an Mitochondrien, weil sie viel Energie für Kontraktion und Regeneration brauchen.

Östrogen beeinflusst nachweislich die Mitochondrienfunktion in Muskelzellen – es unterstützt die mitochondriale Effizienz und reduziert den oxidativen Stress in den Mitochondrien. Mit dem Rückgang von Östrogen verändert sich auch die mitochondriale Leistungsfähigkeit der Muskulatur – was sich als frühere Erschöpfbarkeit, langsamere Erholung nach Belastung und ein allgemeines Gefühl von Schwäche äußern kann.

Muskelabbau (Sarkopenie)
Ab dem 40. Lebensjahr verliert der Körper ohne aktiven Gegensteuern jährlich Muskelmasse – durch den Östrogen- und Progesteronrückgang beschleunigt sich dieser Prozess in den Wechseljahren deutlich.
Faszienbeschwerden
Weniger Kollagen und ein veränderter Wasserhaushalt im Bindegewebe machen Faszien anfälliger für Verklebungen, Verhärtungen und Schmerzen – oft schleichend, ohne klares Auslöseereignis.
Mitochondriale Erschöpfung
Die Energiebereitstellung in Muskelzellen wird durch den Östrogenmangel beeinträchtigt – was zu schnellerer Ermüdung und langsamerer Erholung nach Belastung führt.
Chronische Entzündung
Der Rückgang der entzündungsmodulierenden Östrogenwirkung begünstigt stille Entzündungen im Muskel- und Fasziengewebe, die Schmerzen chronisch werden lassen können.

Das Muskelgedächtnis – und warum es nie zu spät ist

Hier kommt die gute Nachricht – und sie ist wissenschaftlich gut belegt: Das Muskelgedächtnis ist erstaunlich langlebig.

Wenn Muskeln einmal aufgebaut wurden – sei es in der Jugend, als Erwachsener oder zu irgendeinem anderen Zeitpunkt im Leben – behalten die Muskelzellen eine Art „Erinnerung" daran. Die Myonuklei (Zellkerne in den Muskelzellen), die beim Training entstehen, bleiben erhalten – auch wenn der Muskel vorübergehend abbaut. Das bedeutet: Muskelaufbau nach einer Pause oder nach dem Rückgang durch Hormonveränderungen geht deutlich schneller als der erste Aufbau. Der Körper erinnert sich.

Und selbst wer nie viel Sport gemacht hat, profitiert von Muskelaufbau. Krafttraining ab 50, 60, 70 – sogar ab 80 – ist in Studien nachgewiesen wirksam: Muskelaufbau ist möglich, Knochendichte verbessert sich, Sturzrisiko sinkt, Erschöpfung nimmt ab. Der richtige Zeitpunkt ist immer jetzt.

„Es ist nie zu spät für Muskelaufbau. Der Körper hat kein Ablaufdatum – er wartet nur auf den Impuls."

Was Progesteron und Testosteron zusätzlich beitragen

Oft wird in der Wechseljahrs-Diskussion nur über Östrogen gesprochen. Zwei weitere Hormone, die für Muskulatur und Wohlbefinden zentral sind, werden häufig übersehen:

  • Progesteron: Hat beruhigende, entzündungshemmende und gewebeerhaltende Wirkung. Ein Progesteronmangel – der oft schon vor dem Ausbleiben der Periode einsetzt – trägt zu Schlafstörungen bei, die wiederum die Muskelregeneration beeinträchtigen.
  • Testosteron: Ja, auch Frauen brauchen Testosteron – wenn auch in deutlich niedrigeren Mengen als Männer. Es ist direkt anabolisch, fördert Muskelaufbau und -erhalt und beeinflusst Energie, Antrieb und Libido. Auch der Testosteronspiegel sinkt mit den Wechseljahren.
Was ich diagnostisch betrachte Bei Patientinnen mit Muskelschmerzen, Faszienproblematik und Erschöpfung in den Wechseljahren schaue ich auf den vollständigen Hormonstatus (inkl. Testosteron und Progesteron in der richtigen Zyklusphase oder postmenopausal), den Mikronährstoffstatus (Magnesium, Vitamin D, CoQ10 für die Mitochondrien) und die Entzündungsmarker. Das gibt ein Bild, das erklärt, warum der Körper sich so anfühlt – und zeigt, wo anzusetzen ist.

Was wirklich hilft – konkret und realistisch

1. Bewegung – aber klug dosiert

Der wichtigste Hebel ist gleichzeitig der schwierigste, wenn man Schmerzen hat: Bewegung. Nicht trotz der Schmerzen, sondern mit Bedacht um sie herum. Was sich bewährt:

  • Krafttraining – auch in sanfter Form. Selbst isometrische Übungen (Muskelspannung ohne Bewegung) helfen, dem Abbau entgegenzuwirken
  • Faszienrolling – regelmäßige Selbstmassage mit einer Faszienrolle kann Verklebungen lösen und die Gewebshydratation verbessern
  • Yin Yoga oder sanftes Stretching – besonders für Fasziengesundheit und die Wiederherstellung von Elastizität
  • Schwimmen oder Wassergymnastik – gelenkschonend, trotzdem muskelaktivierend

2. Mikronährstoffe gezielt einsetzen

Magnesium
Essentiell für Muskelentspannung und -funktion. Magnesiummangel ist einer der häufigsten Mitauslöser von Muskelverspannungen und -krämpfen.
Vitamin D
Direkte Wirkung auf Muskelkraft und -funktion. Niedriger Vitamin-D-Spiegel erhöht das Sturzrisiko und ist mit Muskelschwäche assoziiert.
Coenzym Q10
Zentral für die Energieproduktion in den Mitochondrien. Mit dem Alter sinkt der körpereigene CoQ10-Spiegel – eine gezielte Supplementierung kann die mitochondriale Funktion in der Muskulatur unterstützen.
Kollagen & Vitamin C
Kollagen ist der Baustoff von Faszien, Sehnen und Bändern. Vitamin C ist für die körpereigene Kollagensynthese unverzichtbar – beide können die Fasziengesundheit unterstützen.
Omega-3-Fettsäuren
Entzündungsmodulierend – können chronische Muskel- und Faszienentzündungen dämpfen und die Regeneration unterstützen.
Protein
Ausreichend Protein ist die Grundlage für Muskelerhalt und -aufbau. Gerade in den Wechseljahren ist der Proteinbedarf häufig höher als angenommen – und wird durch die übliche Ernährung oft nicht gedeckt.

3. Hormonelle Unterstützung prüfen

Wenn die Ursache hormonell ist – und sie ist es in den Wechseljahren zu einem wesentlichen Teil – ist es sinnvoll, auch dort anzusetzen. Naturidentische Hormone, individuell auf Basis einer Hormondiagnostik abgestimmt, können einen echten Unterschied machen – nicht nur für Beschwerden wie Hitzewallungen, sondern direkt für Muskelgesundheit, Faszienqualität und Energieniveau.

Mein ganzheitliches Konzept

Gesund & Aktiv Stoffwechselprogramm

Hormone, Mitochondrien, Mikronährstoffe und Bewegung zusammen gedacht – für mehr Kraft, Energie und weniger Schmerz im Alltag.

Mehr zum Programm
Eine ehrliche Notiz zum Schluss – von mir persönlich Ich weiß, was ich meinen Patientinnen empfehlen würde. Und ich weiß, wie schwer es manchmal ist, sich selbst gegenüber daran zu halten. Wer Schmerzen hat, schont sich. Wer erschöpft ist, spart Energie. Das ist menschlich. Aber der Weg zurück zu mehr Kraft, mehr Stabilität und weniger Schmerz führt immer durch Bewegung hindurch – nicht darum herum. Ich fange nach diesem Hexenschuss wieder an. Langsam, behutsam, konsequent. Das ist mein Plan.
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Zur Diagnostik

Kann Östrogenmangel wirklich Rückenschmerzen verursachen?

Indirekt ja – über mehrere Mechanismen. Weniger Östrogen bedeutet weniger Kollagenproduktion (Faszien und Bänder werden anfälliger), reduzierte Muskelkraft durch verminderten anabolen Effekt, und eine schwächere Entzündungsregulation im Gewebe. Ein Hexenschuss in den Wechseljahren ist selten ein isoliertes Ereignis, sondern oft das Ergebnis einer schleichenden Veränderung der Gewebsqualität.

Ist Krafttraining in den Wechseljahren wirklich sinnvoll?

Ja – und es ist eine der am besten belegten Maßnahmen. Krafttraining in den Wechseljahren erhält und baut Muskelmasse auf, verbessert die Knochendichte (wichtig gegen Osteoporose), reduziert Sturzrisiko, verbessert die mitochondriale Funktion und kann Schmerzsyndrome langfristig reduzieren. Auch wer nie Sport gemacht hat, profitiert – das zeigen Studien bis ins hohe Alter.

Was ist das Muskelgedächtnis und warum ist es wichtig?

In Muskelzellen, die durch Training gewachsen sind, bleiben zusätzliche Zellkerne (Myonuklei) dauerhaft erhalten – auch wenn der Muskel durch Inaktivität wieder abbaut. Bei erneutem Training kann der Muskel dadurch viel schneller wieder aufgebaut werden als beim allerersten Aufbau. Das ist biologisch belegt und bedeutet: Wer früher aktiv war, profitiert enorm – und auch wer es nie war, kann auf diesen Mechanismus setzen, sobald er anfängt.

Welche Mikronährstoffe sind für Muskulatur und Faszien in den Wechseljahren besonders wichtig?

Magnesium (Muskelentspannung), Vitamin D (Muskelkraft, Knochen), Coenzym Q10 (mitochondriale Energieproduktion), Kollagen und Vitamin C (Faszien- und Sehnenqualität), Omega-3-Fettsäuren (Entzündungsmodulation) und ausreichend Protein (Muskelaufbau und -erhalt). Welche davon im Einzelfall suboptimal versorgt sind, zeigt ein gezielter Laborcheck.

Du erkennst dich in diesem Beitrag wieder – und möchtest verstehen, was bei dir hormonell und muskulär passiert?

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Gudrun Faller führt seit über 25 Jahren eine Praxis für ganzheitliche Medizin in Lörrach. Ihr Schwerpunkt liegt auf hormonellen Regelkreisen, chronischen Entzündungen, Stress- und Immunregulation sowie Mikronährstofftherapie. Alle Inhalte basieren auf langjähriger Praxiserfahrung und aktueller naturheilkundlicher Diagnostik.

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