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Hashimoto verstehen (1)– warum Laborwerte allein nicht ausreichen

Hashimoto verstehen – warum Laborwerte allein nicht ausreichen. Teil 1 der Hashimoto Serie

Warum viele Betroffene trotz „guter Werte" weiter leiden – und was wirklich berücksichtigt werden muss

Von Gudrun Faller, Heilpraktikerin in Lörrach  |  Autoimmun & Immunregulation  ·  Hormontherapie

Kurzantwort Hashimoto ist keine reine Hormonstörung – es ist eine komplexe Autoimmunerkrankung mit chronisch-entzündlichem Verlauf. Deshalb erklären Laborwerte allein nie das vollständige Bild: Ein TSH im Normbereich schließt ausgeprägte Symptome nicht aus. Antikörper, die sinken, bedeuten nicht automatisch, dass es der Patientin besser geht. Eine Hashimoto-Therapie, die nur den TSH-Wert im Blick hat, behandelt einen Messwert – nicht einen Menschen.
Etwas sehr Persönliches vorweg

Hashimoto ist für mich kein abstraktes Thema. Meine Mutter hatte Hashimoto.

Heute, seit zehn Jahren, ist meine Mutter symptomfrei. Sie nimmt keine Medikamente mehr. Lediglich Selen nimmt sie kurmässig ein.

Das ist kein Versprechen, das ich anderen machen kann – jede Hashimoto-Geschichte ist anders, und nicht jeder Verlauf lässt sich so weit zurückführen. Aber dieser persönliche Hintergrund ist der Grund, warum Hashimoto zu einem meiner zentralen Schwerpunkte geworden ist. Ich weiß aus nächster Nähe, was es bedeutet, mit dieser Erkrankung zu leben – und was es bedeutet, wenn Therapie wirklich greift.

In meiner Praxis begleite ich sehr viele Frauen mit Hashimoto – und immer wieder auch Männer, bei denen die Erkrankung viel seltener diagnostiziert wird, obwohl sie genauso betroffen sind.

Der Satz, den ich am häufigsten höre: „Meine Werte sind in Ordnung – aber mir geht es schlecht." Manchmal kommt er mit Resignation. Manchmal mit Verwirrung. Manchmal mit einem Unterton, der sagt: Ich zweifle langsam an mir selbst.

Dieser Beitrag ist für alle, die diesen Satz kennen. Er soll erklären, warum Laborwerte bei Hashimoto so wichtig – und gleichzeitig so unvollständig – sind.

Was Hashimoto wirklich ist

Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Das Immunsystem produziert Antikörper, die sich gegen körpereigenes Schilddrüsengewebe richten – hauptsächlich gegen das Enzym Thyreoidperoxidase (TPO-AK) und gegen Thyreoglobulin (TG-AK). Mit der Zeit wird durch diese Immunreaktion Schilddrüsengewebe zerstört, was letztlich zur Unterfunktion führen kann.

Drei wichtige Unterscheidungen, die häufig fehlen:

  • Hashimoto ≠ Schilddrüsenunterfunktion. Nicht jede Person mit Hashimoto hat eine klinisch relevante Unterfunktion – zumindest nicht von Anfang an. Im frühen oder mittleren Verlauf kann der TSH noch lange unauffällig sein, während der Entzündungsprozess bereits läuft.
  • Hashimoto ≠ nur Antikörper. Antikörper sind ein Hinweis auf den Autoimmunprozess – aber ihre Höhe korreliert nicht zuverlässig mit dem Beschwerdebild. Hohe Antikörper müssen nicht zu starken Symptomen führen. Niedrige Antikörper schließen ein schlechtes Befinden nicht aus.
  • Hashimoto ist eine Systemerkrankung. Die Schilddrüse ist das Zielorgan – aber die Ursachen und Verstärker liegen oft woanders: im Immunsystem, im Darm, in der Stressachse, in Mikronährstoffmängeln.
„Hashimoto ist eine Immunerkrankung, die zufällig die Schilddrüse trifft. Wer nur die Schilddrüse behandelt, behandelt das Ziel – nicht den Schützen."

Die üblichen Laborwerte bei Hashimoto – und was sie leisten

TSH
Steuerhormon der Hypophyse
Zeigt, wie viel Steuersignal die Hirnanhangsdrüse sendet. Steigt an, wenn die Schilddrüse zu wenig produziert. Ein normaler TSH sagt aber nichts darüber aus, ob ausreichend aktives fT3 in den Zellen ankommt.
fT4
Freies Thyroxin – Speicherhormon
Die inaktive Vorstufe. Muss in den Geweben (Leber, Darm) in aktives fT3 umgewandelt werden. Bei Stress, Selenman­gel oder Entzündung ist diese Umwandlung gestört – fT4 kann normal sein, fT3 trotzdem zu niedrig.
fT3
Freies Trijodthyronin – aktives Hormon
Das eigentlich wirksame Hormon in den Zellen. Im Standardlabor bei Hashimoto oft nicht bestimmt – obwohl es das klinisch relevanteste ist. Ein zu niedriges fT3 erklärt viele Symptome trotz normalem TSH.
TPO-AK
Antikörper gegen Thyreoidperoxidase
Zeigen die Autoimmunaktivität an. Wichtig für die Diagnose – aber ihre Höhe korreliert nicht zuverlässig mit dem Befinden. Sinken sie, heißt das nicht automatisch, dass es besser geht.
TG-AK
Antikörper gegen Thyreoglobulin
Zweiter Autoimmunmarker – kann positiv sein, wenn TPO-AK negativ. Deshalb sollten immer beide bestimmt werden. Auch hier: Absolutwerte korrelieren schwach mit dem klinischen Bild.
rT3
Reverses T3 – der Blocker
Bei Stress und Entzündung wird mehr fT4 in inaktives rT3 umgewandelt statt in aktives fT3. rT3 blockiert die Rezeptoren. Symptome einer Unterfunktion trotz normaler fT3- und fT4-Werte – im Kassenlabor kaum bestimmt.

Das zentrale Problem: gute Werte – schlechtes Befinden

Dies ist der Abschnitt, bei dem viele Hashimoto-Betroffene nicken werden. Typische Situationen:

  • TSH im Normbereich – trotzdem Erschöpfung, Kälteempfindlichkeit, Brain Fog
  • Antikörper sinken nach Therapiebeginn – das Befinden verbessert sich kaum
  • Die Hormondosis wird erhöht – der Zustand verschlechtert sich, statt besser zu werden
  • Alle Werte „passen" – und trotzdem ist da dieses permanente Gefühl, nicht wirklich gesund zu sein

Warum ist das so? Weil Laborwerte Momentaufnahmen von Messwerten sind – aber keine Funktionsdiagnostik des gesamten Organismus. Sie messen, was im Blutserum nachweisbar ist. Sie messen nicht, was in den Zellen ankommt. Sie messen nicht, wie das Immunsystem im Hintergrund aktiv ist. Sie messen nicht, wie stark der Cortisol-Einfluss die Schilddrüsenhormon-Umwandlung stört.

Warum auch Männer betroffen sind – und seltener erkannt werden Hashimoto gilt als „Frauenkrankheit" – tatsächlich sind Frauen deutlich häufiger betroffen. Aber Männer erkranken ebenfalls, werden jedoch viel seltener diagnostiziert. Zum einen, weil bei Männern weniger häufig nach Schilddrüsenantikörpern gesucht wird. Zum anderen, weil die Symptome – Erschöpfung, Gewichtszunahme, depressive Verstimmung, nachlassende Libido – anderen Diagnosen (Burnout, Depression, Hormonabfall) zugeordnet werden. In meiner Praxis sehe ich immer wieder Männer mit Hashimoto, die jahrelang falsch eingeordnet wurden.

Was Laborwerte nicht abbilden

Immunregulation und Entzündung im Hintergrund

Hashimoto ist ein Autoimmunprozess – das Immunsystem ist permanent aktiv, auch wenn TSH und Antikörper gerade „akzeptable" Werte zeigen. Diese Immunaktivierung äußert sich in einem chronisch leicht erhöhten Entzündungsniveau, in veränderten Zytokinprofilen (Entzündungsbotenstoffe wie IL-6 oder TNF-alpha) und in einer veränderten Balance zwischen regulatorischen und entzündungsfördernden Immunzellen. Das klassische Labor erfasst das nicht.

Stress- und Nebennierenbelastung

Chronischer Stress hat einen direkten Einfluss auf die Schilddrüsenfunktion – über mehrere Mechanismen gleichzeitig:

  • Cortisol hemmt die Umwandlung von fT4 in aktives fT3
  • Cortisol fördert die Bildung von inaktivem rT3 (dem „Blocker")
  • Chronischer Stress verstärkt Autoimmunprozesse allgemein

Wer also unter Nebennierenschwäche oder HPA-Dysregulation leidet, hat häufig eine schlechtere Schilddrüsenhormonverfügbarkeit in den Zellen – auch wenn die Standardwerte normal aussehen.

Zelluläre Schilddrüsenhormonwirkung

Ein oft völlig übersehener Aspekt: Das Schilddrüsenhormon muss in die Zelle gelangen und dort an den Rezeptor binden. Ist dieser Prozess gestört – etwa durch mitochondrialen Energiemangel, Insulinresistenz oder bestimmte Umweltgifte – entstehen Symptome einer Unterfunktion, obwohl alle Hormonspiegel im Blut normal erscheinen. Das Labor misst, was im Blut zirkuliert – nicht, was in der Zelle wirkt.

Warum Hashimoto mehr als eine Schilddrüsenerkrankung ist

Die Schilddrüse ist das Zielorgan – aber die Wurzeln der Erkrankung reichen tiefer:

Darm & Leaky Gut
Eine erhöhte Darmpermeabilität ermöglicht es Bestandteilen aus dem Darminhalt, in den Blutkreislauf zu gelangen und das Immunsystem dauerhaft zu aktivieren. Viele Hashimoto-Betroffene haben gleichzeitig eine gestörte Darmflora – kein Zufall, sondern ein biologischer Zusammenhang. Mehr dazu: Darm & Immunsystem
Mikrobiom
Eine diverse, gesunde Darmflora unterstützt die Immunregulation – sie hilft dem Immunsystem, tolerant statt überreaktiv zu sein. Eine Dysbiose begünstigt das Gegenteil: Autoimmunprozesse, die sich schwerer regulieren lassen.
Infektionen (EBV & Co.)
Das Epstein-Barr-Virus (EBV) und andere chronische Infektionen werden als mögliche Triggerfaktoren für Hashimoto und andere Autoimmunerkrankungen diskutiert. Bei unklarem Verlauf oder plötzlicher Verschlechterung lohnt es sich, diese Spur zu verfolgen.
Toxische Belastungen
Schwermetallbelastungen, Mykotoxine aus Schimmel oder andere Umwelttoxine können Autoimmunprozesse triggern oder verstärken. In meiner Praxis ist das ein Aspekt, den ich bei therapieresistenten Verläufen immer mitbetrachte.
Mikronährstoffmängel
Selen schützt Schilddrüsenzellen vor oxidativem Schaden und ist für die fT3-Produktion unverzichtbar. Vitamin D reguliert das Immunsystem. Eisen wird für die Hormonproduktion benötigt. Zink unterstützt die Konversion. Alle vier sind bei Hashimoto häufig im suboptimalen Bereich.
Stressachse & HPA
Chronischer Stress ist nicht nur Begleiterscheinung von Hashimoto – er ist ein aktiver Verstärker. Die HPA-Achse beeinflusst direkt die Schilddrüsenhormon-Umwandlung und die Immunbalance.

Erweiterte Diagnostik bei Hashimoto – wann sinnvoll?

Nicht jede Erweiterung der Diagnostik ist für jeden sinnvoll. Aber es gibt Situationen, in denen über das Standard-Schilddrüsenpanel hinausgeschaut werden sollte – insbesondere bei anhaltenden Symptomen trotz formell normaler Werte.

Entzündungsmarker
hsCRP, Ferritin (als Akute-Phase-Protein), ggf. Zytokinprofil – zeigen, wie aktiv der Entzündungsprozess im Hintergrund ist, unabhängig vom TSH.
Mikronährstoffstatus
Selen, Eisen/Ferritin, Vitamin D, Zink, Vitamin B12 – diese vier sind bei Hashimoto so häufig suboptimal, dass ich sie zur Basisdiagnostik zähle.
Nebennierenparameter
Cortisol-Tagesprofil im Speichel, DHEA – zeigen, ob eine Stressachsen-Dysregulation die Schilddrüsenhormon-Umwandlung beeinträchtigt.
Darmdiagnostik
Stuhlanalyse auf Dysbiose-Muster, sekretorisches IgA, Calprotectin, Zonulin – besonders bei gleichzeitigen Verdauungsbeschwerden oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
rT3 und fT3
Im Kassenlabor oft nicht bestimmt – aber besonders relevant, wenn Symptome trotz normalem TSH und fT4 bestehen. Das Verhältnis fT3:rT3 kann aufzeigen, ob Stress die Hormonverfügbarkeit blockiert.
Immunologische Marker
Bei therapieresistenten Verläufen oder zusätzlichen Autoimmunerkrankungen: Lymphozytentypisierung, weitere Autoantikörper – individuell entschieden, nicht pauschal.
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Umfassende Diagnostik in meiner Praxis

Labordiagnostik, Mikronährstoffanalysen, Speicheltests und Dunkelfeldmikroskopie – individuell kombiniert für das Gesamtbild bei Hashimoto.

Zur Diagnostik

Warum Standardtherapien oft nicht ausreichen

Die schulmedizinische Standardtherapie bei Hashimoto mit klinisch relevanter Unterfunktion besteht in der Substitution von Schilddrüsenhormonen – meist L-Thyroxin (T4). Das ist in vielen Fällen notwendig und richtig.

Aber: Sie adressiert nur einen Teil des Problems.

  • L-Thyroxin ersetzt fT4 – aber nicht fT3. Wer schlecht von T4 zu T3 konvertiert (z. B. durch Stress, Selenmangel, Darmproblem), profitiert weniger.
  • Die Autoimmunreaktion selbst wird durch Hormonsubstitution nicht behandelt.
  • Triggerfaktoren – Darm, Stress, Mikronährstoffe, Infektionen – bleiben unberücksichtigt.
  • Die „TSH-Fixierung" – also die ausschließliche Steuerung der Therapie am TSH-Wert – lässt das klinische Befinden der Patientin oft außen vor.

Das bedeutet nicht, dass L-Thyroxin falsch ist. Es bedeutet, dass es in vielen Fällen nicht ausreicht, wenn es alleiniger Therapieansatz bleibt.

Der ganzheitliche Ansatz bei Hashimoto

Regulation statt reine Symptombehandlung – das ist das Leitprinzip. Ganzheitliche Hashimoto-Therapie bedeutet nicht, auf Schilddrüsenhormone zu verzichten, wenn sie nötig sind. Es bedeutet, zusätzlich die Wurzeln zu adressieren:

Mikronährstofftherapie
Gezielter Ausgleich von Selen (oft der wirksamste Einzelschritt), Vitamin D, Eisen, Zink auf Basis individueller Diagnostik – nicht nach Pauschalempfehlung. Mehr zur Mikronährstofftherapie
Immunmodulation
Begleitung der Immunregulation – über Darmtherapie, Phytotherapie, Mikronährstoffe mit immunmodulierender Wirkung und ggf. Mikroimmuntherapie.
Stressregulation
Ohne Stressregulation sind alle anderen Maßnahmen nur halb so wirksam. Die HPA-Achse und die Schilddrüsenachse sind zu eng miteinander verbunden, um sie isoliert zu behandeln.
Darmtherapie
Behandlung einer Dysbiose, Aufbau der Schleimhautintegrität, Verbesserung des Östroboloms – adressiert einen der wichtigsten Autoimmun-Verstärker. Mehr zur Darmtherapie
Phytotherapie
Individuell eingesetzte Pflanzen zur Unterstützung der Immunregulation, Leberarbeit und Schilddrüsenfunktion – abgestimmt auf das Gesamtbild, nicht nach Schema.
Hormontherapie (wenn nötig)
Schilddrüsenhormone, wenn indiziert – ggf. auch kombinierte T4/T3-Präparate, wenn die alleinige T4-Gabe nicht ausreicht. Immer in Abstimmung mit dem betreuenden Arzt.

Für wen dieser Ansatz besonders wichtig ist

Ein ganzheitlicher Ansatz bei Hashimoto ist insbesondere sinnvoll für Menschen mit:

  • Anhaltenden Symptomen trotz Hormontherapie und formal normaler Laborwerte
  • Wechselnden Befindlichkeiten, die sich nicht mit den Laborschwankungen decken
  • Unverträglichkeit oder schlechter Anpassung auf Schilddrüsenhormone
  • Weiteren Autoimmunerkrankungen – Hashimoto tritt häufig nicht allein auf
  • Kinderwunsch – Schilddrüsenfunktion und Antikörperstatus sind für die Fruchtbarkeit und den Schwangerschaftsverlauf relevant
  • Wechseljahren – hormonelle Veränderungen können Hashimoto-Verläufe beeinflussen
  • Männern, die mit unklarer Erschöpfung, Gewichtszunahme oder depressiven Verstimmungen kämpfen und bei denen eine Schilddrüsen-Autoimmunität noch nicht gesucht wurde

Fazit: Laborwerte sind wichtig – aber nicht die ganze Wahrheit

Laborwerte sind ein unverzichtbares Werkzeug. Sie zeigen, wo die Schilddrüse im Moment steht – ob Hormone fehlen, ob Antikörper vorhanden sind, ob grundlegende Nährstoffe ausreichend sind. Das ist wertvoll und notwendig.

Aber sie ersetzen nicht die individuelle Beurteilung des Menschen dahinter. Hashimoto braucht Zeit, Geduld und Differenzierung. Eine Therapie, die nur auf TSH-Normalisierung abzielt, ohne den Autoimmunprozess, die Stressachse, den Darm und die Mikronährstoffversorgung mitzudenken, bleibt Stückwerk.

Meine Mutter hat mir gezeigt, wohin ein konsequenter, ganzheitlicher Weg führen kann. Symptomfreiheit nach Hashimoto ist möglich – auch wenn der Weg dorthin individuell und manchmal lang ist. Der erste Schritt ist oft, den Menschen zu betrachten – nicht nur den Wert.

„Mensch vor Wert. Der Laborbefund zeigt, wo du stehst – nicht, wie es dir geht."

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Häufige Fragen zu Hashimoto

Kann man Hashimoto haben, ohne schlechte Laborwerte?

Ja. Im frühen Verlauf oder bei noch kompensierten Stadien können TSH und fT4 noch im Normbereich liegen, während der Autoimmunprozess – messbar an erhöhten Antikörpern – bereits aktiv ist und Symptome verursacht. Umgekehrt können Antikörperwerte sinken, ohne dass sich das Befinden verbessert.

Warum geht es mir trotz Hormontherapie nicht besser?

Mögliche Gründe: schlechte Konversion von fT4 zu fT3 (durch Stress, Selenmangel, Darmproblem), erhöhtes reverses T3 (das die Rezeptoren blockiert), weiterhin aktiver Entzündungsprozess im Hintergrund, nicht adressierte Triggerfaktoren wie Darm oder Stressachse. Oder der TSH-Zielbereich passt nicht zu dieser individuellen Person.

Welche Laborwerte sind bei Hashimoto wirklich entscheidend?

Über das Standard-Panel hinaus: fT3 (das aktive Hormon, das in der Zelle wirkt), rT3 (der Blocker, der bei Stress erhöht ist), Selen, Vitamin D, Ferritin, hsCRP als Entzündungsmarker, Cortisol-Tagesprofil. Welche davon für wen relevant sind, hängt vom individuellen Beschwerdebild ab.

Bekommen auch Männer Hashimoto?

Ja – Hashimoto trifft auch Männer, wird aber deutlich seltener diagnostiziert. Die Symptome werden häufig anderen Ursachen zugeordnet (Burnout, Depression, Hormonabfall). Bei Männern mit anhaltender Erschöpfung, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit oder depressiven Verstimmungen sollte eine Schilddrüsendiagnostik inklusive Antikörper zum Standard gehören.

Kann Hashimoto geheilt werden?

Eine vollständige Heilung im schulmedizinischen Sinne ist nicht garantiert – aber eine deutliche Reduktion der Autoimmunaktivität und dauerhafte Symptomfreiheit ist möglich. Das hängt vom individuellen Verlauf, dem Zeitpunkt der Therapie und der Konsequenz ab, mit der Triggerfaktoren adressiert werden. Die Geschichte meiner Mutter – seit über zehn Jahren symptomfrei und ohne Medikamente – zeigt, was möglich sein kann.

Warum ist Selen bei Hashimoto so wichtig?

Selen ist für zwei entscheidende Prozesse notwendig: die Aktivierung der selenabhängigen Dejodasen (die fT4 in aktives fT3 umwandeln) und den Schutz der Schilddrüsenzellen vor oxidativem Schaden durch freie Radikale, die beim Autoimmunprozess entstehen. Selensubstitution bei nachgewiesenem Mangel ist einer der wirksamsten und am besten belegten Einzelschritte bei Hashimoto.

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Gudrun Faller führt seit über 25 Jahren eine Praxis für ganzheitliche Medizin in Lörrach. Ihr Schwerpunkt liegt auf hormonellen Regelkreisen, chronischen Entzündungen, Stress- und Immunregulation sowie Mikronährstofftherapie. Alle Inhalte basieren auf langjähriger Praxiserfahrung und aktueller naturheilkundlicher Diagnostik.

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