Neuraltherapie bei hormonellen Dysbalancen – wenn Injektionen den Regelkreis entstören
Von Gudrun Faller, Heilpraktikerin, Praxis für ganzheitliche Medizin Lörrach
Wenn du seit Jahren mit unregelmäßigen Zyklen, starken Regelschmerzen, PMS oder den ersten Anzeichen der Wechseljahre kämpfst, hast du wahrscheinlich schon einiges ausprobiert. Viele Frauen, die in meine Praxis in Lörrach kommen, berichten, dass ihr Hormonsystem sich trotz „normaler“ Blutwerte einfach nicht stabil anfühlt. Das liegt daran, dass Hormone nie isoliert arbeiten, sondern eng mit dem vegetativen Nervensystem und der Stressachse verschaltet sind.
Warum Hormone nicht isoliert betrachtet werden können
Das Hormonsystem ist Teil eines größeren neuro-endokrinen Regelkreises. Nervensystem, vegetatives (autonomes) Nervensystem und Hormondrüsen kommunizieren fortlaufend miteinander – über die HPA-Achse ebenso wie über direkte nervale Verbindungen zu Schilddrüse, Eierstöcken und Nebennieren. Wenn dieses System dauerhaft unter Stress steht, reicht eine rein orale oder „von außen zugeführte“ Therapie manchmal nicht aus. Hier setzt ein Prinzip an, das in der klassischen Medizin oft zu kurz kommt: Lokale Reize können zentrale Regelkreise beeinflussen – genau darauf baut die Neuraltherapie auf.
Neuraltherapie ist ein komplementärmedizinisches Verfahren, bei dem Lokalanästhetika wie Procain oder homöopathische Komplexmittel gezielt injiziert werden, um Reizketten im vegetativen Nervensystem zu unterbrechen. Wichtig für die Einordnung: Sie ist keine Hormonsubstitution und keine kausale Organheilung. Sie wirkt regulierend, nicht ersetzend.
Segmentale Zusammenhänge: Haut, Nerv und Hormonorgan
Ein zentrales Konzept der Neuraltherapie sind die sogenannten Head-Zonen – segmentale Hautareale, die über Rückenmarkssegmente mit bestimmten inneren Organen und Hormondrüsen verbunden sind. Ein Reiz, gesetzt über eine Quaddelung (intrakutane Injektion) in einer bestimmten Hautzone, kann so auf ein fernes Organ wirken – etwa auf Schilddrüse, Ovarien, Uterus oder Nebennieren.
Injektionstechniken im hormonellen Kontext
In der Praxis kommen je nach Beschwerdebild unterschiedliche Techniken zum Einsatz. Ich erkläre sie hier bewusst getrennt, damit du einordnen kannst, was gemeint ist, wenn von „Neuraltherapie“ die Rede ist.
Gelegentlich ist in der neuraltherapeutischen Praxis vom sogenannten „Hormonstrang“ die Rede – gemeint sind mehrere Zonen, die je nach betroffener Hormondrüse gezielt angesprochen werden:
- Paravertebral an der Wirbelsäule: Zonen entlang der Wirbelsäule, die eng mit dem Sympathikus und den endokrinen Regelzentren in Verbindung stehen.
- Schilddrüsenregion: Injektionen nahe der Schilddrüse oder am Ganglion cervicale superius am Hals.
- Nebennierenregion: Behandlung im Bereich der unteren Brustwirbelsäule und oberen Lendenwirbelsäule (Segmenttherapie).
- Unterleibsorgane: Quaddeln oder tiefere Injektionen im Bereich des Kreuzbeins und der Eierstöcke bzw. Hoden, z. B. am Frankenhäuser-Ganglion bei Frauen.
Behandlungen in diesen Bereichen zielen auf vegetative Entspannung und eine Reorganisation der jeweiligen Regelkreise ab.
Mögliche Anwendungsgebiete
Komplementär und begleitend – nicht als Ersatz für eine fundierte Diagnostik – kann Neuraltherapie bei folgenden Themen unterstützend eingesetzt werden:
Grenzen und realistische Erwartungen
So hilfreich Neuraltherapie sein kann – sie ist kein Ersatz für eine gründliche Labordiagnostik und keine alleinige Hormontherapie. Ihre Stärke liegt in der Kombination: mit fundierter Diagnostik, angepasster Ernährung, Stressregulation und, wo sinnvoll, mit bioidentischer Hormontherapie.
Weiterführende Beiträge
Ob Regelschmerzen, unregelmäßige Blutungen oder Wechseljahresbeschwerden – lass uns gemeinsam schauen, ob Neuraltherapie für dich ein sinnvoller Baustein sein kann.
📅 Termin online buchen – Praxis Gudrun Faller LörrachHäufige Fragen zur Neuraltherapie bei Hormonen
Die Injektionen sind meist gut verträglich. Die Nadeln sind sehr fein, viele Patientinnen empfinden den Reiz als kurzen Piks, vergleichbar mit einer Akupunkturnadel bei intrakutanen Quaddeln.
Das ist individuell verschieden. Bei funktionellen, stressassoziierten Beschwerden zeigen sich oft nach mehreren Sitzungen erste Veränderungen – eine pauschale Zahl kann ich seriös nicht nennen, da es vom Ausgangsbefund abhängt.
Nein. Neuraltherapie ist keine Hormonsubstitution. Sie kann begleitend eingesetzt werden, ersetzt aber keine notwendige medizinische Hormontherapie.
Häufig ja – etwa mit Akupunktur, Moxibustion oder homöopathischen Organpräparaten. Diese Kombination hat sich bei stressbedingten Zyklusstörungen in meiner Praxis wiederholt bewährt.
Beide arbeiten mit Reizpunkten, aber Neuraltherapie setzt zusätzlich einen Injektionsreiz – etwa mit Procain – während Akupunktur ausschließlich mit Nadeln ohne Injektionssubstanz arbeitet.
Nein. Procain ist ein Lokalanästhetikum, das vegetativ regulierend wirkt. Es enthält keine Hormone und wirkt über das Nervensystem, nicht hormonell.
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