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Warum Frauen 8× häufiger Autoimmunerkrankungen bekommen

Warum Frauen bis zu 8× häufiger Autoimmunerkrankungen bekommen als Männer

Von Gudrun Faller, Heilpraktikerin in Lörrach  |  Autoimmun & Immunregulation  ·  Hormontherapie

Kurzantwort Rund 80 % aller Autoimmunerkrankungen betreffen Frauen. Bei bestimmten Erkrankungen wie Hashimoto, Lupus oder Sjögren-Syndrom ist das Verhältnis noch drastischer. Das ist kein Zufall – sondern Biologie: Das weibliche Immunsystem ist feiner reguliert, stärker mit dem Hormonsystem verbunden und dadurch gleichzeitig leistungsfähiger und vulnerabler.
Was ich in meiner Praxis täglich sehe

Wenn ich auf meine Patientinnen und Patienten mit Autoimmunerkrankungen schaue, fällt das Ungleichgewicht sofort auf: Es sind überproportional Frauen. Manchmal frage ich mich, ob das auch daran liegt, dass Frauen spüriger sind – dass sie früher merken, wenn etwas nicht stimmt, und früher einen Weg in die Praxis finden. Männer neigen dazu, Symptome länger zu ignorieren oder anders zu interpretieren. Aber das erklärt das Verhältnis nicht vollständig. Die eigentliche Antwort liegt tiefer – im weiblichen Hormon- und Immunsystem, das feiner, komplexer und damit auch anfälliger für Dysbalancen ist.

Das weibliche Immunsystem – stärker und empfindlicher zugleich

Frauen haben im Durchschnitt ein reaktiveres Immunsystem als Männer. Das hat evolutionäre Gründe: Ein Immunsystem, das Schwangerschaft ermöglichen muss – also das Akzeptieren eines „fremden" Organismus im eigenen Körper –, muss fein reguliert sein. Es muss zwischen Bedrohung und Toleranz unterscheiden, schneller reagieren und präziser abwägen.

Diese Feinfühligkeit schützt: Frauen überleben Infekte im Schnitt besser, bilden nach Impfungen mehr Antikörper und haben ein mobileres Immungedächtnis. Aber dieselbe Feinfühligkeit macht das System auch anfälliger dafür, aus dem Gleichgewicht zu geraten und sich gegen körpereigenes Gewebe zu richten.

Die Rolle der Hormone

Östrogen, Progesteron und Testosteron beeinflussen das Immunsystem direkt – über Hormonrezeptoren auf Immunzellen. Das Immunsystem ist kein von Hormonen unabhängiges System. Es ist mit dem Hormonsystem eng verwoben.

Östrogen
Aktiviert das Immunsystem und fördert die Antikörperproduktion – was die Abwehr stärkt, aber auch das Risiko erhöht, dass das Immunsystem überschießt. Viele Autoimmunerkrankungen verschlimmern sich mit dem Östrogenanstieg in der Zyklusmitte.
Progesteron
Wirkt immunmodulierend und entzündungshemmend – eine Art natürliche Bremse für überschießende Immunreaktionen. Ein Progesteronmangel (wie in der Perimenopause) kann Autoimmunprozesse begünstigen oder verstärken.
Testosteron
Wirkt immunsuppressiv – es dämpft überschießende Immunreaktionen. Männer haben deutlich höhere Testosteronspiegel, was ein möglicher Schutzfaktor gegen Autoimmunerkrankungen sein könnte.
Hormonelle Umbrüche
Pubertät, Schwangerschaft, Postpartum und Menopause sind Phasen, in denen Autoimmunerkrankungen bei Frauen gehäuft erstmals auftreten oder sich verschlechtern – direkt korreliert mit den hormonellen Verschiebungen.

Das X-Chromosom – ein unterschätzter Faktor

Frauen haben zwei X-Chromosomen, Männer nur eines. Das X-Chromosom enthält ungewöhnlich viele immunregulatorische Gene. Die aktuelle Forschung vermutet, dass die Doppelausführung dieser Gene – trotz des Mechanismus, der eines der X-Chromosomen „stilllegt" – eine Rolle bei der erhöhten Immunaktivität von Frauen spielen könnte.

„Das weibliche Immunsystem ist kein schwächeres System. Es ist ein feineres – und wie jedes feine Instrument reagiert es empfindlicher auf Störungen der Stimmung."

Wann treten Autoimmunerkrankungen bei Frauen gehäuft auf?

🌸Pubertät – erste große hormonelle Verschiebung
🤰Schwangerschaft & Postpartum – massive Immunumstellung
Nach Infektionen (EBV, COVID, Yersinien)
😔Nach chronischem Stress & Trauma
🦋Perimenopause & Wechseljahre – Progesteron sinkt zuerst
💉Nach Impfreaktionen (bei entsprechender Disposition)
Was das für die Therapie bedeutet Wer Autoimmunerkrankungen bei Frauen behandelt, ohne den Hormonstatus zu betrachten, behandelt nur einen Teil des Systems. In meiner Praxis gehört die Hormondiagnostik – Östrogen, Progesteron, ggf. Testosteron – zur Basisabklärung bei jeder Autoimmunerkrankung. Und umgekehrt: Wer hormonelle Dysbalancen behandelt, verbessert häufig auch das Autoimmungeschehen.

Welche Autoimmunerkrankungen betreffen Frauen besonders häufig?

Hashimoto-Thyreoiditis (bis zu 10:1 Frauen zu Männer), systemischer Lupus erythematodes (9:1), Sjögren-Syndrom (9:1), Multiple Sklerose (3:1), rheumatoide Arthritis (3:1) und viele weitere. Insgesamt tragen Frauen etwa 80 % der Last aller Autoimmunerkrankungen.

Können Hormone eine Autoimmunerkrankung auslösen?

Direkt auslösen tun sie es selten allein – aber sie sind wichtige Modulatoren. Hormonelle Umbrüche (Postpartum, Menopause, starke Zyklusveränderungen) können bei entsprechender genetischer Veranlagung den Beginn oder die Verschlechterung einer Autoimmunerkrankung triggern.

Sollte ich bei einer Autoimmunerkrankung meinen Hormonstatus bestimmen lassen?

Ja – das halte ich für sinnvoll, auch wenn die Verbindung nicht immer sofort offensichtlich ist. Besonders das Verhältnis von Östrogen zu Progesteron sowie der Testosteronspiegel geben wertvolle Hinweise. Ein Speicheltest kann hier ergänzend sehr aussagekräftig sein.

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Gudrun Faller führt seit über 25 Jahren eine Praxis für ganzheitliche Medizin in Lörrach. Ihr Schwerpunkt liegt auf hormonellen Regelkreisen, chronischen Entzündungen, Stress- und Immunregulation sowie Mikronährstofftherapie. Alle Inhalte basieren auf langjähriger Praxiserfahrung und aktueller naturheilkundlicher Diagnostik.


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