Warum Frauen bis zu 8× häufiger Autoimmunerkrankungen bekommen als Männer
Von Gudrun Faller, Heilpraktikerin in Lörrach | Autoimmun & Immunregulation · Hormontherapie
Wenn ich auf meine Patientinnen und Patienten mit Autoimmunerkrankungen schaue, fällt das Ungleichgewicht sofort auf: Es sind überproportional Frauen. Manchmal frage ich mich, ob das auch daran liegt, dass Frauen spüriger sind – dass sie früher merken, wenn etwas nicht stimmt, und früher einen Weg in die Praxis finden. Männer neigen dazu, Symptome länger zu ignorieren oder anders zu interpretieren. Aber das erklärt das Verhältnis nicht vollständig. Die eigentliche Antwort liegt tiefer – im weiblichen Hormon- und Immunsystem, das feiner, komplexer und damit auch anfälliger für Dysbalancen ist.
Das weibliche Immunsystem – stärker und empfindlicher zugleich
Frauen haben im Durchschnitt ein reaktiveres Immunsystem als Männer. Das hat evolutionäre Gründe: Ein Immunsystem, das Schwangerschaft ermöglichen muss – also das Akzeptieren eines „fremden" Organismus im eigenen Körper –, muss fein reguliert sein. Es muss zwischen Bedrohung und Toleranz unterscheiden, schneller reagieren und präziser abwägen.
Diese Feinfühligkeit schützt: Frauen überleben Infekte im Schnitt besser, bilden nach Impfungen mehr Antikörper und haben ein mobileres Immungedächtnis. Aber dieselbe Feinfühligkeit macht das System auch anfälliger dafür, aus dem Gleichgewicht zu geraten und sich gegen körpereigenes Gewebe zu richten.
Die Rolle der Hormone
Östrogen, Progesteron und Testosteron beeinflussen das Immunsystem direkt – über Hormonrezeptoren auf Immunzellen. Das Immunsystem ist kein von Hormonen unabhängiges System. Es ist mit dem Hormonsystem eng verwoben.
Das X-Chromosom – ein unterschätzter Faktor
Frauen haben zwei X-Chromosomen, Männer nur eines. Das X-Chromosom enthält ungewöhnlich viele immunregulatorische Gene. Die aktuelle Forschung vermutet, dass die Doppelausführung dieser Gene – trotz des Mechanismus, der eines der X-Chromosomen „stilllegt" – eine Rolle bei der erhöhten Immunaktivität von Frauen spielen könnte.
Wann treten Autoimmunerkrankungen bei Frauen gehäuft auf?
Welche Autoimmunerkrankungen betreffen Frauen besonders häufig?
Hashimoto-Thyreoiditis (bis zu 10:1 Frauen zu Männer), systemischer Lupus erythematodes (9:1), Sjögren-Syndrom (9:1), Multiple Sklerose (3:1), rheumatoide Arthritis (3:1) und viele weitere. Insgesamt tragen Frauen etwa 80 % der Last aller Autoimmunerkrankungen.
Können Hormone eine Autoimmunerkrankung auslösen?
Direkt auslösen tun sie es selten allein – aber sie sind wichtige Modulatoren. Hormonelle Umbrüche (Postpartum, Menopause, starke Zyklusveränderungen) können bei entsprechender genetischer Veranlagung den Beginn oder die Verschlechterung einer Autoimmunerkrankung triggern.
Sollte ich bei einer Autoimmunerkrankung meinen Hormonstatus bestimmen lassen?
Ja – das halte ich für sinnvoll, auch wenn die Verbindung nicht immer sofort offensichtlich ist. Besonders das Verhältnis von Östrogen zu Progesteron sowie der Testosteronspiegel geben wertvolle Hinweise. Ein Speicheltest kann hier ergänzend sehr aussagekräftig sein.
Du hast eine Autoimmunerkrankung und möchtest das hormonelle Bild dabei verstehen?
Termin online buchenGudrun Faller führt seit über 25 Jahren eine Praxis für ganzheitliche Medizin in Lörrach. Ihr Schwerpunkt liegt auf hormonellen Regelkreisen, chronischen Entzündungen, Stress- und Immunregulation sowie Mikronährstofftherapie. Alle Inhalte basieren auf langjähriger Praxiserfahrung und aktueller naturheilkundlicher Diagnostik.