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Phytotherapie bei Stress & HPA-Achse: Adaptogene, Spagyrik & mehr

Flankierender Beitrag · Phytotherapie & Stressachse

Phytotherapie bei Stress und HPA-Achsen-Dysregulation: Was Pflanzen leisten – und wo Hormone allein nicht reichen

Von Gudrun Faller, Heilpraktikerin, Praxis für ganzheitliche Medizin Lörrach

Kurzantwort Hormone ersetzen, was fehlt. Pflanzen regulieren, wie das System auf Belastungen reagiert. Bei chronischer HPA-Achsen-Dysregulation greifen reine Hormontherapie und Mikronährstoffsubstitution oft zu kurz, weil sie die Regulationsfähigkeit der Achse selbst nicht wiederherstellen. Adaptogene, spagyrische Präparate, Gemmotherapeutika, Komplexmittel und gezielte Teemischungen setzen genau dort an – auf der Informations- und Modulationsebene, nicht auf der Substitutionsebene.

Wer in der Praxis chronisch gestresste Menschen begleitet, stößt auf ein wiederkehrendes Muster: Die Mikronährstoffe sind aufgefüllt, Magnesium und Vitamin C gegeben, vielleicht bioidentisches DHEA ergänzt. Das Labor verbessert sich. Und der Mensch sagt: „Ich fühle mich ein bisschen besser – aber nicht wirklich erholt." Die Stressachse läuft weiter auf Hochtouren, nur leiser. Das System hat sich an die Dysregulation gewöhnt.

Das ist der Moment, in dem Phytotherapie ihren eigentlichen Platz findet. Nicht als Ersatz für Biochemie – sondern als Impuls auf einer Ebene, die Laborwerte nicht abbilden: die Regulationsfähigkeit der HPA-Achse selbst, ihre Fähigkeit, auf Belastungen angemessen zu reagieren und sich danach wieder zu beruhigen.

→ Die Grundlagen der HPA-Achsen-Dysregulation und ihre drei Phasen erkläre ich ausführlich in: Nebennierenschwäche & HPA-Achsen-Dysfunktion – was steckt wirklich dahinter?

Was Pflanzen leisten – und was nicht

Vorweg eine Klarstellung, die ich in der Praxis immer wieder treffe: Pflanzen sind keine sanfteren Hormone. Sie ersetzen kein Cortisol, kein DHEA, kein Progesteron. Wer in Phase 3 der HPA-Erschöpfung mit extrem niedrigem Morgencortisol steckt, braucht zunächst biochemische Stabilisierung – Mikronährstoffe, Schlaf, Stressreduktion, manchmal niedrig dosiertes bioidentisches DHEA.

Was Pflanzen leisten, ist etwas anderes: Sie verändern, wie das System auf Stressoren reagiert. Sie modulieren die Empfindlichkeit der HPA-Achse. Sie schützen Nervenzellen vor oxidativem Stressstress. Sie dämpfen überschießende Cortisol-Reaktionen in Phase 1. Sie regen eine erschöpfte Achse in Phase 2 sanft an. Sie unterstützen die Wiederherstellung des zirkadianen Rhythmus. Das ist Regulation – nicht Substitution. Und Regulation ist genau das, was das System in vielen Fällen fehlt.

Hormone korrigieren Parameter. Pflanzen regulieren Systeme. Wer beides versteht, hat das vollständige Werkzeug.

Adaptogene: Das Rückgrat der Stressphytotherapie

Adaptogene sind Pflanzen – und einige Pilze – die drei Eigenschaften erfüllen (nach Brekhman/Dardymov, 1969, aktualisiert): unspezifische Stressresistenz erhöhen, normalisierend auf die Homöostase wirken und in therapeutischen Dosen keine nennenswerten Nebenwirkungen erzeugen. Das klingt simpel – ist es nicht. Die Mechanismen sind komplex: Aktivierung von Hitzeschockproteinen, Nrf2-Regulation, Einfluss auf Serotonin- und Dopamintransporter, direkte Modulation der HPA-Achse über Glucocorticoid-Rezeptoren.

Wichtig: Adaptogene sind phasenabhängig. Was in Phase 1 (Hochstress, zu viel Cortisol) hilft, kann in Phase 3 (erschöpfte Achse, zu wenig Cortisol) kontraproduktiv sein – und umgekehrt. Die Wahl des Adaptogens ist keine Frage des Trends, sondern der Diagnostik.

Ashwagandha
Withania somnifera · Schlafbeere
Das am besten erforschte Adaptogen für die HPA-Achse. Die Smith-Meta-Analyse 2025 (873 Probanden, 15 RCTs) zeigt: standardisierter Extrakt 300 mg über 8 Wochen senkt Cortisol im Mittel messbar und reduziert subjektives Stressempfinden signifikant. Withanolide modulieren Glucocorticoid-Rezeptoren direkt. Eher beruhigend – geeignet bei Phase 1 und Phase 2 mit erhöhtem Abendcortisol. Abends eingenommen verbessert Schlafqualität nachweislich. Vorsicht bei Autoimmunthyreoiditis (individuell abwägen) und in der Schwangerschaft.
Phase 1 & 2 Cortisol ↓ Schlaf ↑ Abends Gut studiert
Rhodiola rosea
Rosenwurz
Der energetisierende Gegenpol zu Ashwagandha. Rosavine und Salidroside verbessern die Cortisol Awakening Response, reduzieren stressbedingte Fatigue und wirken antidepressiv über Monoaminwege. EMA-Assessment bestätigt traditional use bei stressbedingter Erschöpfung. Besonders geeignet bei abgeflachtem Morgencortisol (Phase 2) und Erschöpfungsdepression. Morgens nehmen – kann abends Einschlaf stören.
Phase 2 CAR ↑ Fatigue ↓ Morgens
Schisandra chinensis
Chinesisches Spaltkörbchen · Wu Wei Zi
Die fünf Geschmäcker in einer Beere. Schisandrine modulieren Lebercytochrome (Cortisol-Abbau), schützen Nervenzellen vor oxidativem Stressschaden und verbessern kognitive Leistung unter Belastung. Besonders geeignet, wenn Leber-Entgiftung mitbehandelt werden soll – was bei chronischem Stress oft der Fall ist. Gute Verträglichkeit, kann mit anderen Adaptogenen kombiniert werden.
Leber-Achse Kognition Alle Phasen
Eleutherococcus senticosus
Sibirischer Ginseng · Taigawurzel
Das klassische Adaptogen der russischen Forschung (Brekhman). Eleutherosid B und E modulieren die Immunantwort unter Stress, verbessern körperliche Ausdauer und Stresstoleranz. Sanfter als Rhodiola, gut geeignet als Basisadaptogen in allen Phasen – besonders wenn gleichzeitig Infektanfälligkeit besteht.
Immunmodulation Alle Phasen Basisadaptogen
Reishi
Ganoderma lucidum · Glänzender Lackporling
Heilpilz mit adaptogenen Eigenschaften. Triterpenoide modulieren Cortisol-Rezeptoren, Polysaccharide (Beta-Glucane) wirken immunmodulierend. Besonders geeignet bei Stress mit Autoimmun-Hintergrund und bei Schlafstörungen. In Phase 3 hilfreich, wenn die Achse beruhigt werden soll ohne weitere Stimulation. Vorsicht bei Blutgerinnungshemmern.
Phase 3 Autoimmun Schlaf Heilpilz
Holy Basil / Tulsi
Ocimum sanctum · Heiliges Basilikum
Ayurvedisches Adaptogen mit anxiolytischer und antientzündlicher Wirkung. Eugenol und Ursolsäure hemmen COX-2 und wirken cortisolregulierend. Besonders geeignet bei Stress mit entzündlicher Komponente – wenn stille Entzündungen und HPA-Dysregulation zusammenwirken. Gute Verträglichkeit, auch als Tee sinnvoll.
Entzündung + Stress Anxiolytisch Auch als Tee

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Klassische Nervina: Pflanzen, die das Nervensystem beruhigen

Adaptogene regulieren die HPA-Achse von oben (Hypothalamus-Ebene). Nervina wirken direkter auf das vegetative Nervensystem und die neuronale Erregbarkeit – sie sind die Pflanzen für den übererregten Sympathikus, für Einschlafprobleme, für den Körper, der abends nicht abschaltet.

Baldrian
Valeriana officinalis
GABA-modulierend durch Valerensäure – kein direkter GABA-Agonist, aber allosterischer Modulator des GABA-A-Rezeptors. Gut belegt für Einschlafstörungen, weniger für Durchschlafprobleme. Wirkungseintritt nach 2–4 Wochen (keine Sofortwirkung wie Benzodiazepine). Nicht müde machend am Tag bei richtiger Dosierung. Gut kombinierbar mit Melisse.
GABA-Modulation Einschlafen Abends
Melisse
Melissa officinalis
Rosmarinsäure hemmt GABA-Transaminase (GABA wird langsamer abgebaut), Flavonoide wirken anxiolytisch. Antiviral, krampflösend, senkend auf viszerale Hypersensibilität – deshalb auch bei Stress-Reizdarm wertvoll. Gut verträglich, auch in der Schwangerschaft (ab 2. Trimenon), als Tee und Extrakt.
GABA ↑ Anxiolytisch Darm-Hirn-Achse
Passionsblume
Passiflora incarnata
Chrysin und andere Flavonoide als partielle Benzodiazepin-Rezeptor-Agonisten – ohne Abhängigkeitspotenzial. Besonders bei Durchschlafstörungen, innerer Unruhe und grübelnden Gedanken am Abend. Gut kombinierbar mit Baldrian (ergänzende Wirkorte). In Studien bei generalisierter Angst ähnlich wirksam wie niedrig dosiertes Oxazepam.
Durchschlafen Innere Unruhe Grübeln
Hopfen
Humulus lupulus
2-Methyl-3-buten-2-ol (aus Hopfen-Bittersäuren gebildet) wirkt sedierend über das ZNS. Hopfen hat gleichzeitig schwach phytoöstrogene Wirkung (8-Prenylnaringenin) – interessant bei Wechseljahres-Schlafproblemen. Klassisch abends, gut kombinierbar mit Baldrian und Melisse als Tee oder Extrakt.
Sedierend Wechseljahre Abends

Spagyrik bei Stress: Wenn Information zählt

Spagyrische Präparate enthalten dieselben Pflanzen wie klassische Phytotherapeutika – aber in einer anderen Informationsdichte: Die alchemistische Verarbeitung (Vergärung, Destillation, Calcinatio, Reunification) vereint flüchtige ätherische Anteile, wässrig-alkoholische Extrakte und die mineralischen Aschesalze der Pflanze in einem Präparat. Das ergibt einen breiteren Wirkkorridor, besonders auf der seelisch-körperlichen Grenzfläche.

Bei Stress setze ich spagyrische Präparate besonders dann ein, wenn:

  • Die Stressbelastung eine seelische Dimension hat, die körperlich mitbehandelt werden soll
  • Klassische Extrakte unzureichend ansprechen
  • Konstitutionelle Schwäche aus der Augendiagnose eine tiefere Ebene verlangt
  • Emotionale Belastungsmuster den Heilungsprozess blockieren

Typische Pflanzen in spagyrischer Verarbeitung bei Stress: Avena sativa (Hafer – klassisches Nervinum bei Erschöpfung und Überforderung), Ignatia (bei emotionalen Stresszuständen, Trauer, Wechsel), Nux vomica (bei Überarbeitung, Reizbarkeit, Schlafstörungen durch zu viel Leistungsdruck), Staphisagria (bei unterdrücktem Ärger als chronischem Stressor).

→ Das Wirkprinzip der Spagyrik und den Unterschied zur klassischen Phytotherapie erkläre ich in Serie Teil 7: Spagyrik & Komplexhomöopathie

Gemmotherapie: Meristematische Kraft für die erschöpfte Achse

Die Gemmotherapie – von Dr. Pol Henry und Dr. Max Tétau entwickelt – ist in Deutschland noch wenig bekannt, in der französischen und italienischen Naturheilkunde jedoch ein etabliertes Verfahren. Sie arbeitet mit Mazeraten aus embryonalen Pflanzenteilen: Knospen, jungen Trieben, Wurzelspitzen – den meristematischen Zonen der Pflanze, in denen das Zellwachstum am aktivsten ist und die höchste Konzentration an Wachstumshormonen, Vitaminen, Spurenelementen und Aminosäuren vorliegt.

Der Grundgedanke: Meristematisches Gewebe enthält die ursprünglichste biologische Information der Pflanze – konzentrierter als in reifem Gewebe. Die Mazerate werden in Glycerin und Alkohol hergestellt (D1-Potenz) und haben damit sowohl biochemische als auch informationsmedizinische Wirkung.

Gemmotherapeutika bei HPA-Achsen-Dysregulation

Ribes nigrum – Schwarze Johannisbeere
Knospen-Mazerat
Das wichtigste Gemmotherapeutikum für Stress und Nebenniere. Ribes nigrum regt die Nebennierenrinde an und wirkt über das enthaltene Provitamin D und cortisolähnliche Substanzen entzündungshemmend und antiallergisch. Klassisch als Begleitmittel bei HPA-Dysregulation in Phase 2, bei Erschöpfung mit Entzündungskomponente, bei Allergien und Autoimmunneigung. Oft als Basisgemmotherapeutikum für die Stressbehandlung.
Nebenniere ↑ Entzündung ↓ Phase 2 Basismittel
Ficus carica – Feige
Junge Triebe-Mazerat
Das klassische Gemmotherapeutikum für psychosomatische Stresszustände und Magenprobleme durch Stress. Wirkt auf die Darm-Hirn-Achse, reguliert den Solarplexus-Bereich, hilft bei stressbedingten Magenirritationen, Sodbrennen und nervöser Erschöpfung. Besonders geeignet, wenn Darm und Stressachse gemeinsam dysreguliert sind.
Psychosomatisch Darm-Stress Solarplexus
Tilia tomentosa – Silberlinde
Knospen-Mazerat
Das Schlaf- und Beruhigungsgemmotherapeutikum schlechthin. Wirkt anxiolytisch und sedierend, verbessert Schlafqualität und hilft bei Angststörungen im Kontext chronischen Stresses. Besonders geeignet bei Phase 1 mit hohem Abendcortisol und Einschlafproblemen.
Anxiolytisch Schlaf Phase 1
Sequoia gigantea – Mammutbaum
Junge Triebe-Mazerat
Das Vitalitätsgemmotherapeutikum für Phase 3. Sequoia regt die Testosteron- und DHEA-Produktion an, wirkt tonisierend auf das endokrine System und ist das Mittel der Wahl bei tiefer Erschöpfung, Antriebslosigkeit und dem Gefühl, „leer" zu sein. Klassisch bei Männern mit stressbedingtem Testosteronabfall.
DHEA ↑ Phase 3 Antrieb Männer

Komplexmittel der Homöopathie bei Stressdysregulation

Wie in Serie Teil 7 beschrieben, arbeite ich nicht mit klassischer Hochpotenz-Homöopathie, sondern mit homotoxikologischen Komplexmitteln niedriger Potenzen. Bei der Stressachse besonders relevant:

  • Nervoheel (Heel): Kombination aus Acidum phosphoricum, Ignatia, Sepia, Zincum valerianicum – bei nervöser Erschöpfung, Schlafstörungen, vegetativer Dysregulation. Eines der meisteingesetzten Komplexmittel in der naturheilkundlichen Praxis bei Burnout-nahen Zuständen.
  • Valerianaheel (Heel): Baldrian-basiertes Komplexmittel – bei Einschlafstörungen, nervöser Übererregung, innerer Unruhe. Für Menschen, die lieber Tabletten als Tee nehmen.
  • Tonico-Injeel (Heel): Bei Erschöpfungszuständen, besonders in Phase 3 – stärkend auf das endokrine und vegetative Nervensystem.
  • Cerebrum compositum (Heel): Bei stressbedingtem Brain Fog, Konzentrationsstörungen und kognitivem Erschöpfungszustand.
Aus der Praxis: Komplexmittel als Überbrückung Komplexhomöopathische Mittel setze ich oft als Überbrückung ein – während Adaptogene noch einige Wochen brauchen, um ihre volle Wirkung zu entfalten, können Komplexmittel relativ schnell eine erste Stabilisierung des vegetativen Systems erreichen. Nicht als Haupttherapie, sondern als erster Regulationsimpuls.

Teemischungen: Einfach, täglich, wirksam

Tee wird in der Phytotherapie oft unterschätzt – weil für hochkonzentrierte Wirkstoffe standardisierte Extrakte überlegen sind. Aber für den täglichen Regulationsimpuls, für die Ritualwirkung, für leicht lösliche Inhaltsstoffe (Bitterstoffe, ätherische Öle, wasserlösliche Flavonoide) ist Tee ideal. Und das tägliche Ritual selbst – Wasser erhitzen, Tee ziehen lassen, bewusst trinken – ist ein Parasympathikus-Signal.

☕ Beispiel-Teemischungen bei Stressdysregulation (Orientierung, keine Anleitung)

Abend-Beruhigungstee (Phase 1 / erhöhtes Abendcortisol):
Melisse, Passionsblume, Hopfenzapfen, Lavendel – beruhigend, GABA-modulierend, schlafvorbereitend

Morgen-Tonikum-Tee (Phase 2 / abgeflachte CAR):
Haferstroh, Rosmarin, Pfefferminze, Schafgarbe – leicht anregend, kreislauffördernd, ohne die Achse zu überreizen

Nerven-Stärkungs-Tee (Phase 3 / Erschöpfung):
Hafer (Avenae herba), Baldrian, Süßholz (moderat), Zitronenverbene – nährend, entspannend, leicht süß

Stressachse + Entzündung (alle Phasen):
Holy Basil (Tulsi), Kurkuma (mit schwarzem Pfeffer), Ingwer, Zitrone – adaptogen, antientzündlich, stimulierend auf Gallefluss

Teemischungen: Was sie können und was nicht Tee enthält wasserlösliche Anteile – ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide. Fettlösliche Wirkstoffe (Withanolide aus Ashwagandha, Eleutherosid B, Schisandrine) gehen in wässriger Aufbereitung kaum über – dafür braucht es alkoholische Extrakte oder standardisierte Kapseln. Tee ergänzt – er ersetzt keine therapeutisch relevanten Adaptogen-Dosen.

Die drei Phasen – und welche Pflanzen wann passen

Phase 1
Alarmphase
Cortisol erhöht, Sympathikus dominant

Geeignet: Ashwagandha (abends), Tilia tomentosa, Passionsblume, Baldrian, Melisse, Nervoheel
Phase 2
Resistenzphase
Cortisol schwankend, CAR abgeflacht

Geeignet: Rhodiola (morgens), Eleutherococcus, Ribes nigrum, Schisandra, Ficus carica, Komplextonika
Phase 3
Erschöpfungsphase
Cortisol niedrig, tiefe Fatigue

Geeignet: Reishi, Sequoia, Avena sativa (spagyrisch), sanfte Tonika – keine starken Stimulanzien

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich Adaptogene einfach selbst kaufen und nehmen?

Einzelne Adaptogene wie Ashwagandha und Rhodiola sind frei erhältlich und bei richtiger Dosierung gut verträglich. Das Problem der Selbstmedikation: Ohne Kenntnis der HPA-Phase kann das falsche Adaptogen kontraproduktiv sein (Rhodiola in Phase 3 kann überreizen; Ashwagandha bei Autoimmunthyreoiditis ist individuell abzuwägen). Eine kurze diagnostische Grundlage – Cortisol-Tagesprofil, Hormonstatus – macht die Auswahl präziser und die Wirkung zuverlässiger.

Was ist Gemmotherapie – und wo bekomme ich die Mittel?

Gemmotherapeutika sind Mazerate aus Pflanzenknospen und jungen Trieben, in Glycerin/Alkohol (D1) aufbereitet. In Deutschland über spezialisierte Naturheilkundepotheken, Homöopathie-Versandapotheken oder direkt über Hersteller wie Boiron oder Genestra erhältlich. Die Mittel sind rezeptfrei, aber die Auswahl ist indikationsabhängig – Gemmotherapie funktioniert am besten mit therapeutischer Begleitung.

Wie lange dauert es, bis Adaptogene wirken?

Adaptogene sind keine Akutmittel. Messbare Effekte (Cortisol, subjektives Stressempfinden) zeigen sich in Studien nach 4–8 Wochen konsequenter Einnahme. Die volle klinische Wirkung entwickelt sich oft über 3–6 Monate. Wer nach einer Woche aufgibt, hat den Wirkungseintritt nicht erlebt. Während die Adaptogene aufgebaut werden, können Nervina (Baldrian, Melisse) und Komplexmittel die ersten Wochen überbrücken.

Verträgen sich Adaptogene mit Schilddrüsenmedikamenten oder anderen Hormonen?

Ashwagandha kann die Schilddrüsenhormon-Spiegel beeinflussen (T3/T4 können leicht ansteigen) – bei Hashimoto und laufender Schilddrüsenmedikation immer in Absprache einsetzen und Werte nach 4–6 Wochen kontrollieren. Rhodiola und Eleutherococcus sind generell gut verträglich mit Hormontherapien. Schisandra ist ein CYP3A4-Modulator – bei Medikamenten, die über diesen Weg abgebaut werden, auf Interaktionen achten.

Stressachse, Adaptogene, Gemmotherapie – was passt zu dir?

In meiner Praxis in Lörrach ist die Auswahl pflanzlicher Stressmittel immer eingebettet in Diagnostik: Cortisol-Tagesprofil, Hormonstatus, Konstitutionsbeurteilung. Die richtige Pflanze zur richtigen Zeit in der richtigen Zubereitungsform – das ist keine Frage des Trends, sondern der Indikation.

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Gudrun Faller, Heilpraktikerin in Lörrach
Über die Autorin: Gudrun Faller führt seit über 25 Jahren eine Praxis für ganzheitliche Medizin in Lörrach. Ihr Schwerpunkt liegt auf hormonellen Regelkreisen, chronischen Entzündungen, Stress- und Immunregulation sowie Mikronährstofftherapie. Mitglied im Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH).

Praxis für ganzheitliche Medizin · Gudrun Faller · Belchenstrasse 19 · 79539 Lörrach · +49 7621 58 91 76 · gudrun-faller@posteo.de

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