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Hormone Frauen 35+ – wenn Werte normal sind und trotzdem alles nicht stimmt


🔬 Serie: Labormedizin & Diagnostik – Teil 5

Hormone bei Frauen ab 35: Warum „alles normal" oft nicht stimmt – und was die Werte wirklich zeigen

Von Gudrun Faller, Heilpraktikerin in Lörrach  |  Hormontherapie  ·  Frauenheilkunde

Kurzantwort Hormonelle Beschwerden bei Frauen werden systematisch unterdiagnostiziert – in jungen Jahren mit „zu jung dafür", ab 45 mit „in dem Alter normal". Dabei sind Regelschmerzen, Zysten, Myome, Zyklusunregelmäßigkeiten, PMS, Schlafstörungen und Erschöpfung keine Schicksalsfragen des Alters. Sie sind Signale eines Hormonsystems, das aus dem Gleichgewicht geraten ist – und das sich mit den richtigen Laborwerten sehr gut abbilden lässt.
Zwei Sätze, die ich nicht mehr hören möchte

Ich höre sie ständig – von Patientinnen, die mir erzählen, was ihre Frauenärztin gesagt hat. Zwei Varianten, je nach Alter:

Bei jungen Frauen: „Sie sind zu jung für Hormonstörungen. Da brauchen wir nichts testen."

Bei Frauen ab 45 oder 50: „Was wollen Sie denn? In dem Alter sind die Hormone nicht mehr so wie bei Jungen. Das ist normal."

Und dazwischen: Frauen mit Regelschmerzen, die sie kaum funktionieren lassen. Frauen mit Zysten und Myomen, die beobachtet aber nicht erklärt werden. Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch, bei denen niemand den Progesteronspiegel in der Lutealphase gemessen hat. Frauen in den Wechseljahren, deren Beschwerden als unvermeidlich abgetan werden.

Mein Ansatz ist ein anderer: Beschwerden sind Signale. Und Signale verdienen eine Antwort – keine Resignation.

Warum Hormontests bei Frauen so häufig als „unnötig" gelten

Das Hormonsystem einer Frau ist komplex, zyklisch und stark kontextabhängig. Ein einziger Blutwert, zu einem zufälligen Zeitpunkt im Zyklus gemessen, sagt wenig. Das ist ein reales Problem der Diagnostik – aber die Lösung ist nicht, gar nicht zu messen. Die Lösung ist, klüger zu messen: zum richtigen Zeitpunkt, mit den richtigen Parametern, im Kontext der Beschwerden.

Was ich stattdessen oft sehe: kein Hormonstatus, keine Zyklusanamnese, keine Antikörper, kein Cortisol. Nur das große Blutbild und die Aussage: „Alles unauffällig."

Was „alles unauffällig" verschweigt Progesteron wird standardmäßig kaum je in der Lutealphase gemessen – dem einzigen Zeitfenster, das aussagekräftig ist. Cortisol wird selten als Tagesprofil bestimmt. DHEA, Testosteron und das Verhältnis der Sexualhormone zueinander fehlen fast immer. Und der Speicheltest, der freie, biologisch aktive Hormonfraktionen zeigt, wird in der gynäkologischen Routinediagnostik gar nicht angeboten.

Das Hormon-Panel für Frauen ab 35 – was ich bestimme und wann

Cortisol
Tagesprofil (Speichel, 4 Messungen)
Das Stresshormon, das alle anderen Hormone beeinflusst. Ein einzelner Blutcortisolwert ist kaum aussagekräftig – das Tagesprofil zeigt Morgenspitze, Mittagsabfall und Abendspiegel. Chronisch erhöhtes oder zu niedriges Cortisol stört Progesteron, Östrogen, Schilddrüse und Schlaf.
Tagesprofil entscheidend
Progesteron
Lutealphase (Tag 19–22 des Zyklus)
Das am häufigsten übersehene Hormon. Nur in der zweiten Zyklushälfte aussagekräftig. Zu niedrig: PMS, Schlafstörungen, Angst, Zyklusunregelmäßigkeiten, Myome, Zysten, Fehlgeburten. Im Speichel oft besser darstellbar als im Serum.
Nur in Lutealphase messen
Östradiol (E2)
Hauptöstrogen, zyklisch schwankend
Steigt in der ersten Zyklushälfte, fällt nach dem Eisprung. In der Perimenopause stark schwankend – deshalb ist ein einzelner Wert oft wenig aussagekräftig. Das Verhältnis zu Progesteron ist entscheidender als der Absolutwert.
Im Kontext des Zyklus bewerten
FSH / LH
Steuerhormone der Hypophyse
FSH steigt in den Wechseljahren an – aber erst dann, wenn die Eierstöcke die Produktion deutlich reduziert haben. Perimenopausale Beschwerden beginnen oft Jahre früher, bei noch normalem FSH. LH-Verhältnis zu FSH relevant bei PCOS.
FSH >10 mIU/ml: Perimenopause möglich
DHEA-S
Nebennierenhormon, Vorläufer
Vorstufe von Östrogen und Testosteron, produziert von der Nebenniere. Sinkt mit dem Alter und bei chronischem Stress. Niedriges DHEA: Erschöpfung, Libidoverlust, schlechte Stresstoleranz, Muskelabbau.
Optimal: oberes Drittel für das Alter
Testosteron (frei)
Auch bei Frauen wichtig
Frauen brauchen Testosteron – für Energie, Libido, Muskelkraft und kognitive Schärfe. Zu niedrig: Antriebslosigkeit, Libidoverlust, Muskelabbau. Zu hoch (z. B. bei PCOS): Akne, Haarausfall, Zyklusstörungen.
Freies Testosteron relevanter als Gesamt-T

Was diese Werte bei jungen Frauen zeigen – und warum sie trotzdem nicht getestet werden

„Sie sind zu jung für Hormonstörungen" – dieser Satz ist medizinisch nicht haltbar. Regelschmerzen, die Schmerzmittel erfordern, sind keine Normalität. Zysten und Myome entstehen nicht zufällig. Ein unerfüllter Kinderwunsch braucht eine hormonelle Ursachensuche.

Was ich bei jungen Frauen häufig finde, wenn ich genauer hinschaue:

  • Niedriges Progesteron in der Lutealphase – die häufigste unerkannte Ursache für PMS, Zyklusunregelmäßigkeiten und frühe Fehlgeburten
  • Östrogendominanz – nicht weil zu viel Östrogen produziert wird, sondern weil Progesteron fehlt, um es auszubalancieren
  • Cortisolstörung – chronischer Stress in Studium oder Beruf, der die Progesteronproduktion über den Steal-Mechanismus hemmt
  • Erhöhtes LH im Verhältnis zu FSH – klassisches PCOS-Muster, das im Routinelabor oft nicht erkannt wird
  • Niedriges DHEA – bei jungen Frauen mit Erschöpfung ein häufiger und leicht behebbarer Befund

Was diese Werte bei Frauen ab 45 zeigen – und warum „das ist normal" keine Antwort ist

„Was wollen Sie denn? In dem Alter sind die Hormone nicht mehr so wie bei Jungen." Ja – das stimmt. Die Hormone verändern sich. Aber veränderte Hormone bedeuten nicht, dass Beschwerden akzeptiert werden müssen.

Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme, Brain Fog, Gelenkschmerzen, Libidoverlust – das sind keine unvermeidlichen Begleiterscheinungen des Älterwerdens. Das sind Signale eines Hormonsystems, das Unterstützung braucht. Und es gibt Möglichkeiten, diese Unterstützung zu geben – individuell, sicher und wirksam.

Was ich bei Frauen in der Perimenopause und Menopause gezielt untersuche:

  • FSH und LH – um den Übergangsstand einzuordnen
  • Östradiol im Blut – in der Postmenopause zuverlässiger als im Speichel
  • Progesteron und Cortisol im Speichel – freie Fraktionen, die das Gewebe tatsächlich erreichen
  • DHEA-S – als Maß für die Nebennierenreserve und Vorstufe der Sexualhormone
  • Schilddrüse komplett – weil Wechseljahrs- und Schilddrüsenbeschwerden sich stark überlappen
  • Vitamin D, Ferritin, Magnesium – weil Mikronährstoffmängel Hormonstörungen verstärken
Mein Ansatz bei hormonellen Beschwerden Ich teste – individuell, zum richtigen Zeitpunkt im Zyklus, mit den richtigen Methoden. Und ich kombiniere Blut- und Speicheldiagnostik, weil beides unterschiedliche Informationen liefert. Danach folgt ein Gespräch – kein Rezept, keine Standardlösung, sondern ein Plan, der zu dieser Frau, ihrer Lebensphase und ihrem Hormonsystem passt. Mehr zu meinem Ansatz: Hormontherapie in meiner Praxis

Wann im Zyklus sollte Progesteron gemessen werden?

Ausschließlich in der Lutealphase – das ist die zweite Zyklushälfte nach dem Eisprung, idealerweise zwischen Tag 19 und 22 bei einem 28-Tage-Zyklus. Ein Progesteron-Wert in der ersten Zyklushälfte oder zu einem zufälligen Zeitpunkt ist nicht aussagekräftig und führt oft zu falschen Schlüssen.

Kann ich Wechseljahrsbeschwerden haben, obwohl mein FSH noch normal ist?

Ja – und das ist sehr häufig. Die Perimenopause beginnt oft Jahre bevor FSH deutlich ansteigt. In dieser Phase schwanken Östrogen und Progesteron stark, die Zyklen werden unregelmäßiger, und die Beschwerden sind bereits ausgeprägt – bei noch formal normalem FSH. Wer nur FSH misst, verpasst dieses wichtige Frühstadium.

Was hat Cortisol mit meinen Hormonstörungen zu tun?

Sehr viel. Cortisol und Progesteron teilen dieselbe Vorstufe (Pregnenolon). Bei chronischem Stress wird Pregnenolon bevorzugt zur Cortisolproduktion verwendet – auf Kosten des Progesterons. Das Ergebnis: relative Östrogendominanz, PMS, Schlafstörungen, Zyklusprobleme. Ohne die Stressachse zu adressieren, greift jede Hormontherapie nur halb.

Brauchen Frauen wirklich Testosteron?

Ja – Testosteron ist kein reines Männerhormon. Frauen produzieren es in den Eierstöcken und Nebennieren und brauchen es für Energie, Libido, Muskelkraft, Knochendichte und kognitive Leistungsfähigkeit. Mit dem Alter und unter Stress sinkt es – das zeigt sich oft als diffuse Erschöpfung, Motivationslosigkeit und körperliche Schwäche, die nicht dem Östrogen- oder Progesteronmangel zugeordnet werden.

Du möchtest endlich wissen, wie es wirklich um deine Hormone steht – individuell, zum richtigen Zeitpunkt, mit der richtigen Methode?

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Gudrun Faller, Heilpraktikerin in Lörrach
Über die Autorin: Gudrun Faller führt seit über 25 Jahren eine Praxis für ganzheitliche Medizin in Lörrach. Ihr Schwerpunkt liegt auf hormonellen Regelkreisen, chronischen Entzündungen, Stress- und Immunregulation sowie Mikronährstofftherapie. Mitglied im Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH).

Praxis für ganzheitliche Medizin · Gudrun Faller · Belchenstrasse 19 · 79539 Lörrach · +49 7621 58 91 76 · gudrun-faller@posteo.de

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