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Normwerte = optimale Werte? Warum "alles ok" oft nicht stimmt

🔬 Serie: Labormedizin & Diagnostik – Teil 1

Warum Normwerte nicht gleich optimale Werte sind

Von Gudrun Faller, Heilpraktikerin in Lörrach  |  Diagnostik  ·  Mikronährstofftherapie

Kurzantwort Laborwerte im „Normalbereich" bedeuten nicht, dass alles in Ordnung ist. Normwerte sind statistische Durchschnittswerte einer Bevölkerungsgruppe – sie beschreiben, was üblich ist, nicht was optimal ist. Wer sich trotz unauffälliger Werte schlecht fühlt, hat oft recht. Und wer die Laborwerte seiner Patienten wirklich versteht, schaut nicht nur, ob ein Wert im grünen Bereich liegt – sondern ob er für diesen Menschen ausreicht.
Eine Frage, die ich meinen Patienten immer stelle

Fast täglich kommen Menschen in meine Praxis, die Laborergebnisse vom Arzt mitbringen – und die Aussage: „Alles im Normalbereich, alles okay." Manchmal schaue ich mir diese Werte an und denke: Okay? Nein. Nicht wirklich.

Manche Werte liegen sogar außerhalb der Norm – und wurden trotzdem als unauffällig kommentiert. Andere liegen zwar formal im Referenzbereich, aber am unteren Rand – und dort ist für viele Menschen schlicht zu wenig.

Ich frage meine Patientinnen und Patienten dann immer: „Möchtest du normal sein – oder optimal?" Normal bedeutet: du liegst im Durchschnitt einer Population, die selbst oft nicht gesund ist. Optimal bedeutet: dein Körper hat genug, um wirklich gut zu funktionieren.

Die meisten wollen optimal. Und das ist der Ausgangspunkt meiner Arbeit.

Was ein Normwert wirklich bedeutet – und was nicht

Laborwerte werden in Referenzbereiche eingeteilt, die aus großen Bevölkerungsstudien stammen. Das Prinzip: Man misst einen bestimmten Wert bei vielen tausend Menschen und berechnet daraus den statistischen Bereich, in dem 95 % der Bevölkerung liegen. Dieser Bereich wird dann zum „Normalbereich".

Das Problem dabei ist grundlegend: Dieser Normalbereich beschreibt, was in einer Durchschnittsbevölkerung üblich ist – nicht was gesund oder optimal ist. Und diese Durchschnittsbevölkerung ist in vielen Ländern chronisch unterversorgt mit Vitamin D, Magnesium, Eisen und anderen essentiellen Mikronährstoffen. Der „Normalwert" bildet also auch diesen Mangel ab.

Dazu kommt: 5 % der vollkommen gesunden Menschen liegen bei jedem Test automatisch außerhalb des Referenzbereichs – rein statistisch. Und umgekehrt können Menschen mit ernsthaften funktionellen Störungen jahrelang „normale" Werte haben, weil der Körper kompensiert.

„Normal sein heißt: im Durchschnitt einer Bevölkerung liegen, die selbst oft nicht optimal versorgt ist. Das ist kein Ziel – das ist eine Mindestanforderung."

Normwert vs. Optimalwert – konkrete Beispiele aus der Praxis

Der Unterschied zwischen dem, was das Labor als „normal" ausweist, und dem, was funktionell ausreichend ist, kann erheblich sein. Einige Beispiele, die ich in meiner Praxis täglich sehe:

Parameter Laborüblicher Normbereich Funktionell optimal Was bei Unterversorgung passiert
Ferritin (Frauen) 13–150 ng/ml 70-100 ng/ml Erschöpfung, Haarausfall, Konzentrationsprobleme – bereits bei Werten über 13
Vitamin D (25-OH) ab 20 ng/ml „ausreichend" 60–80 ng/ml Immunschwäche, Stimmungstiefs, Muskelprobleme, erhöhtes Autoimmunrisiko
TSH (Schilddrüse) 0,4–4,0 mU/l 0,8–1,8 mU/l Erschöpfung, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit – oft schon bei TSH über 2,5
Vitamin B12 ab 200 pg/ml 600–900 pg/ml Nervenstörungen, kognitive Einbußen, Erschöpfung – oft schon bei „normalem" Wert
Magnesium (Serum) 0,75–1,05 mmol/l 0,85–1,0 mmol/l Muskelkrämpfe, Schlafstörungen, innere Unruhe – Serumspiegel zeigt intrazellulären Mangel kaum
Wichtige Ergänzung zum Thema Magnesium Magnesium im Serum ist einer der unzuverlässigsten Laborwerte überhaupt – weil der Körper den Serumspiegel auf Kosten der Zellen konstant hält. Wer einen „normalen" Magnesiumwert im Blut hat, kann intrazellulär trotzdem massiv unterversorgt sein. Für eine aussagekräftige Messung eignet sich besser der Vollblut-Magnesiumwert. Mehr dazu in meiner Mikronährstoffdiagnostik.

Wann ein Wert „außerhalb der Norm" trotzdem ignoriert wird

Was mich in der täglichen Praxis wirklich beschäftigt: Nicht nur Werte im unteren Normbereich werden übersehen. Manchmal kommen Patientinnen zu mir, deren Werte bereits außerhalb des Referenzbereichs liegen – und denen trotzdem gesagt wurde: „Alles okay, kein Handlungsbedarf."

Das kann verschiedene Gründe haben:

  • Der behandelnde Arzt hat den Wert im Kontext anderer Befunde nicht als relevant eingestuft
  • Es gibt keine Zeit für eine ausführliche Besprechung aller Einzelwerte
  • Der Wert liegt knapp außerhalb – und wird als „noch tolerabel" eingeordnet
  • Der Befund wird zwar registriert, aber nicht mit den Beschwerden der Patientin in Verbindung gebracht

Genau hier liegt der Unterschied zu meinem Ansatz: Ich betrachte Laborwerte nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit den Beschwerden, der Anamnese, dem Lebensstil und dem Gesamtbild. Ein Ferritin von 18 ng/ml ist bei einer Frau mit Erschöpfung, Haarausfall und Konzentrationsproblemen kein Randnotiz – es ist ein zentraler Befund.

🔬 Mehr zur Labordiagnostik in meiner Praxis: Meine Laboruntersuchungen  ·  Diagnostik – mein ganzheitlicher Ansatz

Was bedeutet das für dich als Patientin?

Wenn du dir sagst: „Mein Arzt hat gesagt, alles ist okay – aber ich fühle mich nicht okay" – dann vertrau diesem Gefühl. Der Körper lügt nicht. Laborwerte bilden immer nur einen Ausschnitt ab, und Referenzbereiche sind kein Gesundheitsversprechen.

Was du tun kannst:

  • Lass dir deine Laborwerte aushändigen – du hast ein Recht darauf
  • Schau nicht nur, ob ein Wert im grünen Bereich liegt, sondern wo im Bereich er liegt
  • Bring deine Werte in den Kontext deiner Beschwerden – ein Wert allein sagt wenig
  • Hol dir eine zweite Einschätzung, wenn du das Gefühl hast, dass etwas übersehen wurde

In meiner Praxis nehme ich mir Zeit, Laborwerte wirklich zu lesen – nicht nur abzuhaken. Und ich kombiniere klassische Labordiagnostik mit Mikronährstoffuntersuchungen, Speichelanalysen und – wo sinnvoll – mit Dunkelfeldmikroskopie, um ein möglichst vollständiges Bild zu bekommen.

Du möchtest deine Laborwerte wirklich verstehen – nicht nur wissen, ob sie „im Bereich" liegen?

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Häufige Fragen

Darf ich meinen Arzt um meine Laborwerte bitten?

Ja, unbedingt. Du hast ein gesetzliches Recht auf Einsicht in deine Befunde und kannst eine Kopie verlangen. Viele Labore stellen Ergebnisse heute auch direkt über Online-Portale zur Verfügung. Lass dir die Werte nicht nur mündlich zusammenfassen – nimm sie mit und lies sie selbst oder lass sie von einer weiteren Fachperson einordnen.

Kann ich selbst entscheiden, welche Werte ich untersuchen lassen möchte?

In meiner Praxis ja. Ich bespreche mit jeder Patientin und jedem Patienten individuell, welche Untersuchungen sinnvoll sind – abhängig von Beschwerden, Vorgeschichte und dem, was bisher gemessen wurde. Ich ordere keine Standardpanels, sondern denke diagnostisch.

Was ist der Unterschied zwischen Referenzbereich und Optimalbereich?

Der Referenzbereich ist statistisch definiert – er umfasst die mittleren 95 % einer Bevölkerungsstichprobe. Der Optimalbereich ist funktionell definiert – er beschreibt den Bereich, in dem der Körper nachweislich am besten arbeitet. Diese beiden Bereiche können sich deutlich unterscheiden, besonders bei Mikronährstoffen wie Vitamin D, Ferritin oder Vitamin B12.

Welche Werte werden in der Schulmedizin am häufigsten unterschätzt?

In meiner Praxiserfahrung: Ferritin bei Frauen, Vitamin D, Vitamin B12 (besonders bei Veganern und älteren Menschen), Magnesium (Serumspiegel ist wenig aussagekräftig), TSH im oberen Normalbereich sowie hochsensitives CRP als Entzündungsmarker. Diese Werte werden oft als „noch normal" eingestuft – obwohl sie für den betroffenen Menschen bereits zu niedrig oder zu hoch sind.

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Gudrun Faller, Heilpraktikerin in Lörrach
Über die Autorin: Gudrun Faller führt seit über 25 Jahren eine Praxis für ganzheitliche Medizin in Lörrach. Ihr Schwerpunkt liegt auf hormonellen Regelkreisen, chronischen Entzündungen, Stress- und Immunregulation sowie Mikronährstofftherapie. Mitglied im Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH).

Praxis für ganzheitliche Medizin · Gudrun Faller · Belchenstrasse 19 · 79539 Lörrach · +49 7621 58 91 76 · gudrun-faller@posteo.de

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