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„Alles normal" – aber mein Kind leidet trotzdem

„Alles normal" – aber mein Kind leidet trotzdem

Von Gudrun Faller, Heilpraktikerin in Lörrach  |  Kinderheilkunde

Kurzantwort Unauffällige Befunde bedeuten nicht, dass alles in Ordnung ist. Sie bedeuten, dass die durchgeführten Tests nichts gefunden haben. Mikronährstoffmängel, eine gestörte Darmflora, vegetative Überreizung oder eine frühe Autoimmunaktivität tauchen im Standard-Blutbild nicht auf – aber sie sind messbar, wenn man gezielt sucht. Und sie erklären, was Eltern jeden Tag erleben: ein Kind, das leidet, obwohl die Akte sauber ist.
Der Satz, den ich am häufigsten höre

„Der Kinderarzt sagt, alles ist normal. Aber mein Kind schläft schlecht, ist ständig müde, klagt über Bauchschmerzen und kommt in der Schule nicht mit." Diese Aussage höre ich nahezu täglich. Und ich nehme sie ernst – weil ich weiß, dass das normale Kinderlabor oft einen sehr engen Blickwinkel hat.

Massiv erhöhte Magnesiummängel, Vitamin-D-Spiegel im Keller, Ferritin so niedrig, dass es das Konzentrationsvermögen direkt einschränkt – all das sieht im einfachen Blutbild „normal" aus, wenn man nicht spezifisch danach sucht. Und Würmer, eine Dysbiose oder Histaminproblematik – die sieht man im Labor gar nicht, wenn man nicht gezielt testet.

Warum „unauffällig" nicht „gesund" bedeutet

Das Standard-Kinderlabor beim Kinderarzt zeigt in der Regel: Blutbild, manchmal Entzündungswerte, manchmal Schilddrüse. Was es nicht zeigt:

  • Ferritin (Eisenspeicher) – häufigster Einzelmangel bei Kindern, direkter Einfluss auf Konzentration und Energie
  • Vitamin D – fast alle Kinder mit wenig Outdoor-Zeit sind suboptimal versorgt
  • Magnesium im Vollblut (hämatokritkorrigiert) – der klassische Serum-Magnesiumwert kann trotz intrazellulärem Mangel normal sein
  • Zink, B-Vitamine, Omega-3 – in keinem Standardlabor für Kinder routinemäßig enthalten
  • Darmflora-Zusammensetzung – nur durch Stuhldiagnostik erfassbar
  • Parasiten, Würmer – ebenfalls nur im Stuhl nachweisbar
  • Neurotransmitter – nur im Urin messbar
  • Zonulin, sekretorisches IgA – Hinweise auf Leaky Gut, nur in Spezialdiagnostik
„Ein unauffälliges Befundbild beim Kind bedeutet: Das, was gemessen wurde, ist unauffällig. Es sagt nichts über das, was nicht gemessen wurde."

Drei Bilder, die ich regelmäßig sehe

„Kein ADHS, aber trotzdem Probleme"
Die Diagnose ADHS wurde nicht gestellt – aber das Kind ist unruhig, impulsiv, kann sich nicht konzentrieren. Ein Eisenmangel, Magnesiummangel oder Omega-3-Defizit kann dasselbe Bild erzeugen wie ein neurologisches Aufmerksamkeitsdefizit – und ist einfacher zu beheben.
„Keine Allergie, aber trotzdem Reaktionen"
Der Allergietest war negativ. Aber das Kind reagiert auf bestimmte Lebensmittel mit Bauchschmerzen, Hautveränderungen oder Unruhe. Histaminintoleranz, Dysbiose oder eine erhöhte Darmpermeabilität fallen im Allergietest nicht auf – sind aber behandelbar.
„Keine Diagnose, aber Leidensdruck"
Das Kind hat wiederkehrende Bauchschmerzen, schläft schlecht, ist häufig krank und emotional leicht aus der Bahn zu werfen – aber keine Diagnose passt. Das ist oft der Moment, in dem ein ganzheitlicher Blick den Unterschied macht.

Was ich in solchen Situationen tue

Wenn Eltern mit einem Kind kommen, dessen Befunde unauffällig sind, aber die Beschwerden real sind, beginne ich mit einer gezielten Erweiterung der Diagnostik – immer mit konkreter Fragestellung, nie als blinde Wertsammlung:

  • Erweitertes Mikronährstoffpanel – Ferritin, Vitamin D, Magnesium (Vollblut), Zink, Holo-TC (aktives B12), Omega-3-Index
  • Stuhldiagnostik – Darmflora-Zusammensetzung, entzündliche Marker, Hinweise auf erhöhte Permeabilität, Parasiten
  • Neurotransmitter im Urin – bei Konzentrationsproblemen und Verhaltensauffälligkeiten als ergänzender Baustein
  • Ausführliche Anamnese – was die Eltern täglich beobachten, ist genauso wertvoll wie jeder Laborwert

Fast immer findet sich etwas. Nicht als „große Diagnose", sondern als konkreter Hinweis: Hier fehlt Magnesium. Dort ist die Darmflora aus dem Gleichgewicht. Da zeigt sich eine Histaminproblematik. Das sind Angriffspunkte – und sie erklären, was die Eltern erleben.

Was ich Eltern sage Du kennst dein Kind. Wenn du sagst, dass etwas nicht stimmt, dann ist das ein valider Ausgangspunkt – unabhängig davon, was das letzte Labor gezeigt hat. Meine Aufgabe ist es, genauer hinzuschauen als das Standardlabor. Und das tue ich – kindgerecht, behutsam, mit einem vollständigen Blick auf das Kind als Ganzes.
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Diagnostik für Kinder in meiner Praxis

Kindgerechte Blutabnahme, Stuhldiagnostik, Neurotransmitter, Mikronährstoffe – gezielt, behutsam, im Gesamtbild betrachtet.

Zur Kinderheilkunde

Wie kann ein Eisenmangel ADHS-ähnliche Symptome verursachen?

Eisen ist Kofaktor für die Synthese von Dopamin – dem wichtigsten Neurotransmitter für Konzentration, Motivation und Impulssteuerung. Ein Ferritin im unteren Normbereich kann die Dopaminproduktion einschränken und so das klinische Bild einer Aufmerksamkeitsstörung imitieren, ohne dass eine neurologische ADHS vorliegt. Das macht eine einfache, behebbare Ursache – die aber nur gefunden wird, wenn man Ferritin gezielt bestimmt.

Wann sollte ich als Elternteil eine zweite Meinung einholen?

Immer dann, wenn das Kind über einen längeren Zeitraum Beschwerden hat, die das Alltagsleben beeinträchtigen – und wenn die bisherigen Abklärungen keine befriedigende Erklärung geliefert haben. Du musst nicht warten, bis das Kind „krank genug" ist für eine Diagnose. Leidensdruck ist ein ausreichender Grund, genauer hinzuschauen.

Mein Kind hat Bauchschmerzen, aber der Kinderarzt findet nichts. Was kann ich tun?

Eine sinnvolle Ergänzung ist eine Stuhldiagnostik: Darmflora, Entzündungsmarker, Hinweise auf erhöhte Darmpermeabilität, Parasiten. Dazu eine gezielte Anamnese zu Ernährung, Stuhlgewohnheiten und begleitenden Symptomen. In meiner Praxis finde ich bei diesen Kindern fast immer etwas – nicht als große Diagnose, aber als konkreten Ansatzpunkt.

Dein Kind leidet – und alle Befunde sind unauffällig? Dann lass uns genauer hinschauen.

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Gudrun Faller, Heilpraktikerin in Lörrach
Über die Autorin: Gudrun Faller führt seit über 25 Jahren eine Praxis für ganzheitliche Medizin in Lörrach. Ihr Schwerpunkt liegt auf hormonellen Regelkreisen, chronischen Entzündungen, Stress- und Immunregulation sowie Mikronährstofftherapie. Mitglied im Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH).

Praxis für ganzheitliche Medizin · Gudrun Faller · Belchenstrasse 19 · 79539 Lörrach · +49 7621 58 91 76 · gudrun-faller@posteo.de

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